Und sonst?

mizi am 14. Mai 2007 um 00:10

Sonst sinds nur noch sechs Wochen, bis ich weg bin. +++ Meine letzte Klausur hab ich am Donnerstag geschrieben, ohne auch nur eine einzige Seite gelesen zu haben und nachdem ich nur dreimal in der Vorlesung war. Um neun fings an, hatte mich vorher noch verlaufen, war dort, schrieb fünf Seiten zur Herausforderung , die neue Medien an die alten stellen, und damit war das Semester vorbei. Mal gucken, obs geklappt hat.+++ Meinen letzten Fernsehbeitrag hab ich am Tag davor bis nachts um drei gemacht, es ging um Frauengleichstellung und Gedöns, nicht sonderlich doll, glaub ich, aber mit netten Bildern und Musik. :-) +++ Carl redet wieder mit mir, isja auch was. +++ Wetter is auch toll, viel Sonne, allerdings recht kühler Wind, wobeis heute recht mild war. +++ Jetzt wird erstmal noch ein wenig Geld verdient. Der Job macht immer noch Spaß, das frühe Aufstehen wird durch eine ruhigere Schicht halbwegs wettgemacht, und am Donnerstag hab ich mein erstes Gehalt bekommen, von dem erst einmal ein paar Sachen bezahlt werden, die sich so angesammelt haben die letzten Wochen.+++ Hab mein Praktikum fast sicher. In einer netten Mail sagte mir der verantwortliche Mensch, dass ich das haben kann, allerdings würde er mich gern rechtzeitig vorher nochmal persönlich treffen. Da ich erst um den 23.06. in HH sein werde, muss ich hoffen, dass sich das noch anderweitig klärt. +++ Meine Kamera is immer noch kaputt. Keiner will sie hier reparieren, und alleine ein Kostenvoranschlag kostet schon 350 Kronen. Ich geb die besser mal Joni mit, vielleicht geht das in Deutschland besser.

Europa hat gewählt…

mizi am 13. Mai 2007 um 23:45

…und teilweise bin ich zufrieden. Meine schwedischen Favoriten The Ark sind immerhin zweitbestes nicht-ost- oder südosteuropäisches Land, gleich vor Roger Cicero, der einen hervorragenden 19. Platz belegt hat. Die serbische Balladenfrau hat zu Recht gewonnen, vor einem großartigen ukrainischen Discokracher mit der politischen Aussage, sich selbst auszuleben, egal, wie groß die Widerstände in der Gesellschaft sind. Furchtbar der Auftritt von Großbritannien, und auch Irland war recht unterirdisch. Aus vielen Ost-Ländern kamen frische, moderne Songs mit Folklore-Anklängen, oder eben tolle ungarischer Blues, und darum stehen die auch nicht nur da vorne, weil sie sich gegenseitig Punkte geben, sondern auch, weil sie mit der Zeit gehen und dem Festival frisches Blut geben. Das hätte DJ Bobo z.B. gut gebrauchen können.

Mit Janin, Svenja, Lars und dem Joni, der mich hier extra aus Hamburg besuchen kam, hatte ich drei erwartet unterhaltsame Stunden mit lecker Essen und Alkohol. Danach wurde noch ein wenig im Sailor getanzt, mit Freunden gequatscht und geflirtet. Ein gelungener Abend also. Freu mich schon auf Belgrad nächstes Jahr, das letzte Mal mit nur einem Semifinale, wie ich gelesen hab.

Festivalgesichter: Die AutogrammjägerInnen

mizi am 1. Mai 2007 um 19:47

Während ich am Freitagabend King Midas hinterhertelefonierte - erfolglos, wie wir nun wissen - ergriffen Janin und Kevin die einmalige Chance, den Sänger der Band “Vincent Vincent & the Villains” um ein Autogramm zu bitten. Die Tageszeitung “Bergens Tidende” fand das so nett, dass sie die beiden für ein Foto und ein kurzes Interview zur Seite nahm. Hier das Ergebniss, der Sonntagsausgabe entnommen:

JanKev

Hier mal die Übersetzung (Ganz großes Kino, besonders zum Schluss hin):

BT: Ihr habt gerade ein Autogramm bekommen, von wem?

Janin: -Vom Sänger von Vincent Vincent…

BT: Sammelt Ihr?

Janin: -Nein, nein, nein! Das war ganz zufällig, und auch nur, weil er das war.

BT: Was ist so besonders an ihm?

Kevin: -Er ist so süß.

Janin: -Und uns hat das Konzert wirklich gut gefallen.

BT: Okay. Seid ihr hier zu Besuch?

Janin: -Ich studiere hier und Kevin ist zu Besuch.

BT: Wie gefällt euch das Festival soweit?

Kevin: -Gut. Es ist toll, so viele Bands an einem Abend zu sehen. Und die Location gefällt mir.

BT: Was ist das Beste an der Festivalstadt Bergen?

Janin: -Ich mag Konzerte in kleinen Locations und es ist toll, so viel unterschiedliche Musik zu hören.

BT: Was habt ihr bis jetzt alles gesehen?

Janin: -Bis jetzt nur die Konzerte heute abend.

BT: Und habt ihr noch vor, euch was anderes anzuschauen?

Janin: -Eigentlich nicht.

Der König und ich - Wie ich beinahe keine Band interviewte (jetzt mit Link)

mizi am 30. April 2007 um 00:01

Es ist Bergenfest, und einige große Namen stehen hier in den sechs Tagen auf den verschiedenen Bühnen der Stadt, unter anderem Marianne Faithful, Roger Waters (Pink Floyd), Pet Shop Boys und I’m from Barcelona.

Natürlich musste Bergen Student TV auch etwas dazu machen, und der Kelch ging nicht an mir vorbei: Endlich meine erste Musikreportage! Samstag musste der Bericht fertig sein, ich suchte mir also ein Konzert am Donnerstag aus (die texanische Folkpunkband “Th’Legendary Shack*Shakers”) und kontaktierte die Pressechefin des Festivals, die mir versicherte, dass es schon klappen würde mit dem Einlass, einer Dreherlaubnis und einem Interview. Ich musste den Nachmittag über arbeiten, fuhr danach kurz nach Hause, dann zur “Garage”, wo sich herausstellte, dass ich weder auf irgendeiner Liste stand, noch eine Absprache mit der Band getroffen war. Es wurde also wild herumtelefoniert mit der Festivalleitung und meiner Redakteurin, bis wir dabei verblieben, es am folgenden Tag mit einem anderen Konzert zu versuchen.

Ich schrieb also wie abgesprochen eine nächtliche Email an die Pressechefin, mit der Bitte, das doch für den nächsten Tag zu klären. Da ich am Freitag auch arbeiten musste, sollte sie mir bis 14 Uhr antworten. Zwischendrin riefen mich meine Redakteurin und der Moderator unserer Sendung an, wie weit ich denn sei, und mit fortschreitender Zeit wurde ich auch immer frustrierter, stand kurz davor, alles sein zu lassen. 13:15 kam dann die erleichternde Mail, dass wir drei Lieder vom King Midas-Konzert filmen dürften und 10 Minuten Interview bekämen. Komplett neue Vorbereitung in viel zu wenig Zeit also. Die Schnellrecherche auf deren Website und deren Myspace Site kann ich mir zum Glück an meinem Arbeitsplatz ausdrucken und durchlesen. Halb elf sind wir am Ort des Geschehens, und zur großen Überraschung kommen sowohl ich als auch mein Kameramann (der ohnehin eine Akkreditierung hatte) ohne Probleme rein. (Janin und Kevin, der mich gerade besuchen kommt, hatten eh schon ein Ticket für die Veranstaltung.)

Der Kameramann rief nun also den Manager an, der nach mehreren Versuchen auch ranging und unser Interview für nach dem Konzert ankündigte. Nach dem wirklich guten Konzert (King Midas waren die zweiten von drei Acts) versuchten wir dann auch mehrmals, den Manager erneut zu erreichen. Nach einer halben Stunde und mehrmaligem Weggedrücktwerden gaben wir beinahe auf, als wir eine SMS bekamen, dass die Jungs jetzt müde seien und wir doch am nächsten Tag zum Hotel kommen sollten. Die Geschichte nahm also kein Ende.

Samstag morgen, ich sollte eigentlich mit Janin schon längst im Schneideraum sitzen, stehen wir also vor dem Hotell Norge und versuche erneut, den Manager anzurufen. Er geht wieder nicht ran, nach und nach sehen wir Mitglieder der Band das Hotel verlassen. Wir schicken eine letzte verzweifelte SMS and den netten Manager, und wir bekommen eine Antwort: Die Jungs haben einen unglaublich vollen Kalender und wenig Zeit.

Wir zurück: Das macht nix, wir können auch warten.

Manager (schon freundlicher): OK, halb zwölf vor dem Hotel.

Wir: Gehts auch drinnen, es ist hier draußen so laut?

Manager: OK (Mit Smiley).

Wir fragten also in der Lobby, ob wir filmen dürften und bauten die Ausrüstung auf, die fast fertig war, als der Sänger dann zu uns kam. Fünf Minuten und ein nettes, kurzes Interview später (Ich war beinahe stolz auf mich, das klang schon fast professionell.) sprach er dann noch einen netten BSTV-Promosatz in die Kamera und zog zum Fototermin von dannen.

Nun hatten wir nur noch sieben Stunden Schnitt vor uns, die dann auch irgendwie vorbei gingen. Wie so oft, wenn man zwei Minuten zu füllen hat und (wegen der Verspätung) keine Anmoderation bekommt, fliegt natürlich ein großer Teil des Interviews raus, und die Einstellungen der drei Konzertsongs variiert auch nicht besonders, vor allem, da der Sound oft ein wenig übersteuert ist. Außerdem fehlt mir ein wenig der rote Faden in dem Beitrag und ich gebe mit eher schwachen Stichworten auch nur einen minderwertigen Ersatz dafür ab. Dennoch halte ich die ganze Sache in Anbetracht der Umstände für halbwegs gelungen. Hier kann man sich nun ein eigenes Bild machen.

Eine komische Tradition

mizi am 26. April 2007 um 13:10

Vor langer, langer Zeit war Bergen noch ein wenig kleiner. Trotzdem lebten hier schon immer einige reiche Leute. Und vor der Stadt wohnten Bauern, denen es nicht so gut ging. Da bekamen die reichen Stadtbürger Angst, die armen Bauern könnten sie berauben, und gründeten eine Bürgerwehr. Die Kinder dieser Bürgerwehrleute fanden diese ganze militärische Gehabe lustig und spielten das mit Trommeln und Holzgewehren nach. Heute, knapp 150 Jahre nach den ersten Buekorps, ziehen jedes Jahr von Ende Februar bis Ende Mai trommelnde Grüppchen in Uniformen durch die Stadt. Dabei sind nicht nur Kinder, sondern auch “Veteranen”, trommeln können alle nicht, und beim Marschieren gucken sie besonders böse. Angeblich sind die Buekorpsene unpolitisch, und in dreien der 15 sind sogar Mädchen erlaubt (in zweien davon ausschließlich). Während andere fürs zu lange feiern von der Polizei verwarnt werden, dürfen Buekorpsene zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Stadt marschieren und harmlose Menschen mit ihrem Marschieren nerven. Ich find sie unheimlich, abgesehen davon, dass sie diesen ganzen Militärirrsin verharmlosen.

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Aber sie lernen ja nur Disziplin und Kameradschaft und so…und schließlich ist es Tradition!

Langer Eintrag mit tollen Fotos: Eine Woche mit dem Thorsten

mizi am 24. April 2007 um 22:02

Montagabend kommt der Besuch in der Stadt an. Eigentlich sollte er am Fischmarkt aussteigen, aber sowohl der Busfahrer als auch Thoko haben kein Problem damit, noch eine Station weiterzufahren. Gepäck in die Wohnung und ab geht es zur allerletzten Jam-Session im Kvarteret, bevor es geschlossen wird.

Dienstag muss ich erst einmal im Café arbeiten. Das allerletzte Mal. Währenddessen macht sich mein Gast auf den Weg in die Berge und verläuft sich fast dabei. Meinen legendären Broccoli-Reis-Pamps gibt es dann nachmittags bei mir, bevor wir uns zum letzten Pubquiz im Kvarteret aufmachen.

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Mittwoch muss ich nicht arbeiten (juhuu). Früh aufgestanden wird trotzdem, wir besichtigen nämlich die Kaffeefabrik von Herrn Friele. Der ist nämlich nicht nur konservativer Bürgermeister der Stadt, er besitzt auch eine der modernsten Kaffeefabriken Europas. Wir bekamen eine Führung, bei der man eigentlich gar nicht viel sehen konnte, und einen netten Vortrag über die Geschichte des Kaffees und die richtige Zubereitung eines Espressos. Schließlich durften wir noch Milchschaum machen und ne Tüte mit Kaffee nach Hause nehmen. Die ganze Zeit über versuchte ich, das Gesagte ins Deutsche zu übersetzen und offensichtlich bekam die gute Frau, die da so toll erzählte, das erst recht spät mit. Jedenfalls guckte sie immer recht böse, und fragte erst gegen Ende, ob Thorsten denn mitkommt, wenn ich die ganze Zeit übersetze. Nach der Kaffeetour gehts noch nach Gamle Bergen, muss ein Tourist ja schließlich auch gesehen haben, selbst im Regen ist die “Unsere kleine Farm”-Idylle großartig. Der Abend wird beschlossen mit Kino. “Music & Lyrics”, die große Hugh Grant-Drew Barrymore-Schnulze. Einfach großartig, wie man mit dem selben Gesicht und wechselnden Partnerinnen immer wieder den gleichen Film variieren kann, ohne, dass ich da was gegen hab. Nette Musik, kleine Seitenhiebe auf die Musikbranche, aber eine etwas herzlose und sehr routiniert runtergespulte Liebesgeschichte. Die beiden funktionieren gut als Paar, aber die ganz große Elektrizität fehlt irgendwie. Trotzdem schön. :-)

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Donnerstag wollen wir uns Haakonshallen angucken. Ein großes altes Gebäude mit schickem Festsaal, Rest der großen früheren Burganlage, die Königsresidenz zu Zeiten Bergens als Hauptstadt war. Wir wundern uns ein wenig über Militärpolizeipräsenz, einen roten Teppich und eine Festgesellschaft, die herauskommt, gehen aber trotzdem rein. Im Festsaal angekommen, wird gerade das Dessert abgedeckt. Ein wichtig aussehender Herr kommt auf uns zu, und als wir uns als Touristen zu erkennen geben, begleitet er uns freundlich zum Ausgang. Es ist nämlich Königsbesuch, und darum ist heute zu. Wir sehen noch einen alten fetten Volvo, und viel Presse, als wir und auf dem Weg zum Akvarium machen. Am nächsten Tag kann ich dann in der Zeitung lesen, dass der Österreichische Präsident mit Gattin da war, und Harald und Sonja denen das Vestland gezeigt habben. Das Akvarium ist eigentlich auch ein sehr netter Ort. Man kan süüüüüüüüüße Pinguine bei der Fütterung und genau so niiiiedliche Robben beim Training sehen, sämtliche Seelebewesen, die so um Norwegen herum vorkommen, und auch ein paar tropische Tierchen. Immer gut für einen kleinen Ausflug. Abends waren wir zum Geburtstag von Anne in Fantoft eingeladen. Ein sehr schöner Abend mit netten Gesprächen und viel zu viel zu essen. Wir nahmen den letzten Bus, die auch einige Italiener und Spanier, die in der Stadt wohl noch einiges vorhatten. Sehr schön, wie sie den Bus zum Wackeln brachten und “Bella Ciao” grölten. Mein Ohr jedenfalls piepte da schon. Als dann später ein paar norwegische Teenager mit glasigem Blick einstiegen (die hatten bestimmt weniger getrunken als die anderen, sahen aber viel fertiger aus), nahm die Spannung gleich noch ein wenig zu. Genervt vom Gesang warfen sie ein paar fremdsprachige Beschimpfungen in die Menge, die nur noch lauter sang. Eine kleine Mädchenschlägerei gab es dann auch noch, kurz bevor die NorwegerInnen ausstiegen. Hier kann man echt was erleben. Habe jetzt auch endlich alle meine Sachen aus Fantoft mitgenommen, jetzt gibt es hier tatsächlich zwei halbwegs große Töpfe. :-)

Freitag musste ich erst arbeiten, war mal wieder ein wunderbar ruhiger Tag. Abends kochten wir mit Janin ein leckeres Curryhuhnzeug (also Thorsten kochte, wir schnitten) mit Nudeln, aßen Pudding und tranken Wein und Kaffee mit Baileys (wie eigentlich schon die ganze Woche). Dazu gab es “Clueless”, das einer meiner Mitbewohner sogar ein wenig mitschaute. Ansonsten vergraulte ich die Bande wohl ein wenig aus der Wohnküche. Janin hatte irgendwie rausgefunden, dass im Logen Teater eine Vorschau auf die gesamte Bergener Festivalsaison stattfindet, die extra für Studenten und vollkommen gratis organisiert war. StudentImpulser nannte sich das. Problem: Thoko ist kein Student. Aber mit ein paar netten Worten am Eingang wurde “unser Gast aus Hamburg” (O-Ton) extra freundlich von dem Mann im Ohr der Wachfrau willkommen geheißen. Wir erlebten eine interessante Tanzperformance, zwei Konzerte und eine niedliche Comedy-Varieté-Nummer, bevor ich dann meiner Müdigkeit und meinen Füßen Tribut zollen und nach Hause musste.

Schließlich hatten wir uns für den Samstag ja was ganz großes vorgenommen: Die große Fløyen-Vidden-Ulriken-Tour. Gegen Mittag brachen wir also auf, fuhren mit der Fløyban auf den Stadtberg, an dessen Fuße ich wohne und wanderten los, ausgestattet mit zwei belegten Brötchen und ohne was zu trinken. Eine schöne Strecke, die über den Blaaman und den Rundeman führt, und die ganze Zeit hat man den Ulriken in greifbarer Nähe im Blick. Über Berg und Tal, in eine immer unwirtlichere und unwirklichere Gegend, zwar mit schöner Aussicht, aber sinkenden Temperaturen und kaum noch befestigten Wegen ging es also in die Wildnis. Irgendwann sind die Füße nass vom Matsch, vom Schnee und von den Wasserläufen, die irgendwie überquert werden müssen, und gegen fünf sehen wir auch ein, dass wir die Seilbahn runter wohl nicht mehr erwischen werden. Gegen den Durst gibt es zum Glück genug Schnee, gegen schmerzende Glieder und kleinere Sturzwunden haben wir aber nix. Jedesmal, wenn wir denken, dass hinter dem nächsten Hügel eigentlich der Gipfel sein müsste, tut sich ein neuer ewig langer Bergkamm vor uns auf.

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Wegweisende Steinhaufen sind zwar eigentlich praktisch, weil man weiß, wo man lang muss, auf der anderen Seite wirken sie in ihrer Masse irgendwann sehr bedrohlich. Pflanzen und Tiere gibt es hier irgendwie auch nicht mehr. Nur ein Adler zieht einsam seine Kreise. Frodo und Sam auf dem Weg nach Mordor. Die Aussicht ist schon schön irgendwie… Immer mal wieder werden wir überholt von Leuten, die den Weg scheinbar besser kennen als wir. Auf dem scheinbar letzten Hügel vor der großen Funkturmspitze haben wir den tollsten Blick überhaupt, allerdings liegt der Weg zu unserem Ziel dann doch etwas weiter unten. Das bedeutet, entweder steil und lebensgefährlich eine Klettertour nach unten zu wagen (klettern mussten wir ja ohnehin immer mal wieder), oder ein ganzes Stück zurückzulaufen und den sicheren Weg zu nehmen. Nach längerem Erkunden des Geländes konnte ich zum Glück zum sicheren Weg überredet werden, der dann auch relativ schnell und sicher ans Ziel führte. Der Abstieg von dort aus war zwar auch abenteuerlich (irgendwie war das so ne Art Bike-Cross-Strecke), aber mit dem Ziel vor Augen konnten eigentlich nur Hunger, Durst und müde Beine die Freude trüben. Unser kleiner Spaziergang endete nach knapp acht Stunden an der Uniklinik, von dort aus nahmen wir den Bus nach Hause, kauften Pizza und Eis und verzichteten auf die Party, zu der wir eigentlich noch gehen sollten. Stattdessen machten wir es uns bei zwei Filmen gemütlich und schliefen am Sonntag ewig. Mit dem fiesen Muskelkater und schlechtem Wetter lief der dann auch ähnlich ab, wie der Samstag endete: Mit Film und Eis. Eigentlich aßen wir außer ein wenig Frühstück kaum etwas, die ideale Grundlage für die letzte große Party, die das Kvarteret vorerst sehen sollte. (Ich hatte meine Kamera nicht mit, darum nur ein paar Eindrücke von meiner allerletzten Schicht im Café.)

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Mit fortschreitender Stunde wurde das Bier auch noch immer billiger (ab 2.00 nur noch NOK 10 für den halben Liter), die Menschen sentimentaler und die Musik besser. Ich werds schon vermissen. Wo bekomm ich denn nun meinen Gratis-Tee, mein intern-Bier, und merkwürdige Mottoparties her? Selbst, wenn ich vor den Schichten ganz oft eigentlich keine Lust hatte, hats doch immer wieder Spaß gemacht, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der teilweise etwas trägen Belegschaft. :-) Nächstes Jahr komm ich auf jeden Fall wieder her und guck, wies geworden ist…

Die Besuchswoche neigt sich dem Ende zu. Es wurde recht spät am Sonntag, darum wird der Montag zum Ausschlafen genutzt. So der Plan. Gegen 12 Uhr ist jedoch einer meiner Mitbewohner zu Hause und singt inbrünstig immer und immer wieder die selbe Zeile. Das Gebrüll zu ignorieren, funktioniert nicht, und auch, dass ich Geräusche mache, um zu zeigen, dass wer im Haus ist, scheint nicht bei ihm anzukommen. “I still remember, the last of december” wird sich für immer in mein Trommelfell einbrennen. Gut, dass bei mir ums Eck ein wirklich gutes ökologisches Restaurant ist, in dem wir ein spätes Frühstück einnehmen. Die Cheeseburger dort zählen zu den besten, die ich je gegessen hab. Nach meiner Redaktionssitzung freut sich Svenja in ihrem “Schloss” in Sandviken darauf, uns zu bekochen. Die ganze Woche hatte sie Holzhäuser in Voss gebaut, nun lernt Thorsten auch sie kennen. Es gibt superleckere Pfannkuchen mit Gemüse, hinterher einen perfekten Kaffee-Baileys und später ein gemütliches Bierchen. Gegen zwei gehts durch die milde Frühlingsluft nach Hause.

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Und nun ist der Thoko auch schon wieder weg. Nicht in Deutschland, sondern - quasi zum Runterkommen - in Oslo. Mit der Bergensbahn machte er sich heute morgen auf den Weg. Man sagt ja, Besuch sei wie Fisch und fange nach drei Tagen zu stinken an. In dem Fall muss der Fisch noch sehr, sehr frisch gewesen sein, gestunken hat er nie. Beinahe neun Tage in diesem kleinen Zimmer zu hausen, fiese Bergtouren zu machen und aufeinanderzuhocken, kann Freundschaften normalerweise auf die eine oder andere Probe stellen. Scheinbar sind wir beide gleichmütig genug, die Macken des anderen ein paar Tage zu ignorieren. Ich war wirklich erstaunt, wie unerwartet schnell die Zeit verging.

Ich hab den Besuch genossen, war auch für mich wie Urlaub. Freu mich schon aufs Wiedersehen im Sommer in der Heimat. Das Tretbotfahren mit Prosecco auf der Alster werd ich auf jeden Fall einfordern! :-)

Lassen wir doch die letzten zwei Wochen mal Revue passieren…

mizi am 15. April 2007 um 20:47

Ostern: Langweilig. Stadt leer, Wohnung leer, Wetter und Fernsehen schlecht. Lichtblick: Nettes Beisammensein bei Steffi aus Freiburg am Ostersonntag und DVDs auf dem großen Fernseher in der Stube gucken.

Woche nach Ostern: Redaktionssitzung, Kvarteret, Filmen, Schneiden, Arbeiten. Das Wetter wurde mit jedem Tag besser (heute dann doch schon 19 Grad), und ich habe mit Svenja bestimmt insgesamt 5 leckere Kaffees am Kai getrunken. Besonders gestern fand ichs nett. Nach der “Grease”-Party im Kvarteret den ganzen Tag draußen zu verbringen, war Balsam für die Seele. Trotz der Unmengen von Menschen in der Stadt, wo auch immer die herkamen. Svenja hat sich später sogar getraut im kalten Fjord zu baden. Abends machten wir einen leckeren Auflauf, den wir dann mit an eine nette Anlegestelle quasi einmal über die Straße von Svenjas WG genommen haben.

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Das “Grease”-Fest war mal was anderes. Ich hab zwar das Vorspiel nur halb mitbekommen und dort auch nix getrunken (kam direkt von der Arbeit), und war auch nicht Grease-mäßig verkleidet, aber endlich lief mal nicht die ewig gleiche schlechte Musik, und es gab merkwürdige Wettbewerbe. Beim ersten mussten alle Jungs sich Gel in die Haare schmieren. Ich glaube, ich sah hinterher genauso aus wie vorher, hab e aber den zweitmeisten Jubel bekommen. Gut fürs Ego, sag ich mal. :-)

Der andere Wettbewerb bestand darin, in einer Gruppe eine Choreografie zu einem Greas-Song zu machen. Wir hatten “You’re the one that I want” und als einzige Gruppe tanzten wir nicht einfach nur Rock’n'Roll-Paartanz, sondern irgendwie als Gruppe, was uns wohl tatsächlich die Ehre des ersten Platzes einbrachte. Gleichzeitig war diese Party das letzte Stjernesalen Internfest für ne ganze Weile. Nach dieser Woche wird das Kvarteret nämlich wegen Umbaus geschlossen. Café und Pub ziehen dann zusammen in ein anderes Gebäude, die Veranstaltungen in die USF-Verft…

Gestern bekam ich auch meine erste Praktikumsabsage, ausgerechnet bei meinem “Wunschunternehmen”. Wahrscheinlich war meine Bewerbung ein wenig spät dran, und sicher auch nicht die mit den meisten, tollsten Referenzen, werd auch nochmal da anrufen und fragen, worans lag. Drei sind noch im Rennen, mal schauen, was das wird. Zur Not arbeite ich eben einfach noch nen Monat länger hier und verdiene ein wenig Geld. Mein Zimmer kann ich hächstwahrscheinlich eh erst ab August weitervermieten.

Heute: An einem Sonntag um sieben aufzustehen, ist schon nicht ganz einfach. Vor allem, wenn einer der Mitbewohner, das dritte Vorspiel des Abends bis um zwei nebenan feiert, und schon um halb vier zum Nachspiel wiederkommt. Gut, dass ich heute einen der Bewohner hatte, bei denen man nicht viel machen musste, außer ihn aus dem Bett zuholen, Frühstück zu machen und immer mal zu gucken, dass er nicht allzuviel Blödsinn macht. Er schließt nämlich gerne alle Türen ab oder schmeißt Sachen über den Balkon. Aber im Großen und Ganzen wars nett und ruhig. Ich konnte ein wenig mit ihm fernsehen (Skippy das Känguru, Dr. Quinn und noch irgendne Serie), und später auf der Terrasse in der Sonne Zeitung lesen. Beinahe noch viel anstrengender war die Mitgliederversammlung der neuen Kvarteret-Gastro-Gruppe, die natürlich noch eine Satzung brauchte. Und wie das in solchen Versammlungen ist, hält man sich nicht an inhaltlichen Details , sondern Grammatikfehlern auf. In der Pause bin ich gegangen, mein Magen hat geknurrt und die ganze Sache betrifft eh nur die, die nächstes Semester da sind.

Mein Fernsehbeitrag diese Woche ist ausnahmsweise mal ein “Nachrichten”-Beitrag und keine Kultursache. Ich habe mich mal umgehört, was die Uni so an Energiesparmaßnahmen betreibt. Fazit: Ist schon gar nich so schlecht, geht aber noch mehr. Ich fands recht nichtssagend, aber immerhin konnte ich wieder was Neues ausprobieren. :-)

Morgen bekomm ich Besuch vom Thoko, der dann knapp neun Tage hier bleibt. Freu mich schon tierisch, auch wenn ich zwischendrin auch noch mal arbeiten muss. Wird sicher witzig, und neben ein wenig Sightseeing (er war ja schonmal hier) sind auch noch ein paar Parties angesagt.

Beitrag Nummer vier nachgereicht:

mizi am 15. April 2007 um 19:55

Erst HIER klicken, dann ”Søndag 18 mars” finden und ”Tappetips for Norske øltappere” auswählen. Es geht um Bierschaum. :-)

Viel Spaß!

Der Traum vom Fliegen

mizi am 3. April 2007 um 18:30

Kiwis können leider nicht fliegen. Was einer von ihnen so alles auf sich nimmt, um einmal das Gefühl zu spüren, über eine Landschaft zu fliegen, kann man hier auf anrührende Art und Weise sehen:

Man kanns auch übertreiben…

mizi am 3. April 2007 um 18:16

Ich weiß ja, dass Ostern das höchste christliche Fest ist. Aber muss man das so ausgiebig zelebrieren? Zumindest bedeutet Ostern hier, dass spätestens in der Karwoche, die hier “Stille Woche” heißt, keiner mehr irgendwas macht. Montags wird der Busverkehr auf den Sonnabendsfahrplan umgestellt. Für mich bedeutete das, frühmorgens mit einem der wenigen Busse zur Arbeit zu fahren, in dem scheinbar keine Norweger sitzen. Asiaten, Osteuropäer, Afrikaner…und ich. Ansonsten war ich im Kino und habe “La vie en rose” gesehen. Eine nette Biografie über Edith Piaf, völlig unchronologisch erzählt, weswegen zwischendurch einige Längen entstehen, weil die Montage nicht immer so funktioniert, dass man den Sinn bestimmter Episoden nicht wirklich erkennt. Insgesamt aber stimmig und nett anzusehen und anzuhören. Hab nicht gewusst, dass die Frau so kaputt war. Abends gabs ein nettes Abendessen mit Lars, Svenja und Hilde.

Morgen machen alle Läden ab 14.00 Uhr zu, und dann is fünf Tage frei. Da fahren dann alle zu ihren Familien und/oder in ihre Hütten, und da das eigentlich ziemlich langweilig is, lesen die Krimis, und auch im Fernsehen kommen die ganze Zeit Krimis…

Deswegen hab ich jetzt auch bis Sonntag sturmfrei in der Bude. :-)


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