So’n bischen durch den Wind…

mizi am 7. Juni 2007 um 15:00

Sonnenschein und blauer Himmel in der Stadt zwischen den Sieben Bergen. Nachts wird es höchstens mal ein bischen dämmerig, gegen eins. Und Knu verlässt die Stadt in fünf Tagen. So rastlos war ich nichmal, als ich letzten Sommer in das Abenteuer Norwegen aufgebrochen bin. Vielleicht hatte ich damals auch nur genug Leute, mit denen ich das bereden konnte. Im Moment sind aber weder Janin noch Svenja da und meine WG leert sich auch langsam. Mit dem Lesen bin ich ein wenig vorangekommen, so wirklich konzentrieren kann ich mich aber nicht. Ist vielleicht auch nicht verwunderlich, wenn man nachts erst um vier ins Bett kommt, und dann sogar den Spätdienst verschläft (Das war vielleicht peinlich!). Zwischendrin renn ich immer ein wenig ziellos durch die Stadt, die nun ein Jahr - vor allem aber die zweite Hälfte - mein Zuhause war, oder sitze mit dem Rechner auf meinem Balkon. Sehr merkwürdig das alles. So zwischen zwei Phasen festzusitzen, hier eigentlich fertig zu sein, und doch noch nicht in Hamburg angekommen. Die Leute, die ich hier kennengelernt habe, werd ich vermissen, meinen Seveneleven-Kaffee, das Tuten der Hurtigrute, den Regen und die komischen Berge, die im Moment aussehen, als wären sie von Bob Ross gemalt worden mit ihren hunderten von Grüntönen. Und doch freu ich mich auf Hamburg, meine Leute, meine Elbe, mein Praktikum. Und wenn alles klappt, bin ich ja nächsten Sommer zum Arbeiten wieder hier. Wird schon irgendwie.

Ein Jahr in Bergen…

mizi am 7. Juni 2007 um 02:23

…hab ich hier also nun beinahe verbracht. Grund genug, mal in meiner Bildersammlung zu kramen und das tolle PhotoStory Programm von Microsoft nochmal auszuprobieren. Das Ergebniss sind knapp 9 Minuten mehr oder weniger spannende Diashow, die mich von jetzt an immer rührselig werden lassen. :-)

Nen Ruhigen machen…

mizi am 4. Juni 2007 um 15:07

…kann ich hier auf die letzten Tage leider nich. Nicht nur, dass mein Zimmer noch nicht nachvermietet ist und ich noch ne Hausarbeit zu schreiben hab, ich muss auch noch mit gefühlten hundert Leuten nen Abschiedskaffee trinken gehen, fünf Schichten arbeiten, Sachen packen und auf die eine oder andere Party gehen.

Allerdings habe ich schon beinahe eine Nachmieterin gefunden. Die machte einen netten Eindruck, würde das Zimmer schon im Juli übernehmen und kommt mit dem Dreck klar, den ne Jungs-WG ab und an mal macht. Jetzt muss sich nur Ingmar noch auskäsen, ob er nun noch nen Kumpel findet, der dass Zimmer will, oder ob ich dem Mädel zusagen kann. Hauptsache, ich muss im Juli keine Miete zahlen und bekomm meine Kaution bald zurück, sind ja immerhin knapp 1000 Euro.

Meine 25 Seiten Ibsen-Hausarbeit werd ich wohl hier nicht mehr zu Ende schreiben können. Weils aber im Sommer arg knapp wird, und ich diesen Schein unbedingt haben will, werd ich diese Woche noch ein wenig ranklotzen und wenigstens die Bücher durcharbeiten, die ich mir aus der Bibliothek geholt hab. Ein paar Zitate werden die ja wohl hergeben, und dann kann ich im Zug nach Bodø ja schonmal n bischen anfangen zu schreiben.

Wenn man irgendwo weggeht, merkt man erst, wie viele Leute man eigentlich kennt. Da kann auch keine Facebook-Freundesliste drüber Auskunft geben. Freitag habe ich mich erst mit Steffi und dann mit Carl getroffen, diese Woche muss ich unbedingt noch einige andere liebe Menschen treffen, um ihnen Tschüs zu sagen und sie nach Hamburg einzuladen.

Und wenn ich nicht Dienstag, Freitag, Samstag, Sonntag und Montag arbeiten müsste, ginge das vielleicht auch ein wenig besser. Ein wenig Geld nebenbei zu verdienen, das dann im August nochmal bei IKEA investiert werden kann, schadet aber auch nix.

Und die BSTV-Leute kann ich immerhin am Donnerstag und am Samstag bei zwei Festen abhandeln. Gut, dass es nachts sowieso so hell ist, dass ich kein Problem damit hab, spät schlafen zu gehen und früh wieder aufzustehen.

Und jetzt alle runterzählen…

mizi am 4. Juni 2007 um 14:52

…es ist nämlich bald vorbei, mein Jahr in Norwegen.

Seit Donnerstag habe ich die Tickets für meine letzten Reisen hier auf dem Schreibtisch liegen:

12.06. 15.58 Uhr Abfahrt Bergen - Ankunft Bodø 13.06. 17.25 Uhr

Gunnar wird mich hoffentlich freudig empfangen, am 14. bekomm ich dann eine Stadtrundfahrt und dann gehts auch schon

mit der M/S Lyngen nach Tromsø.

Da freu ich mich auch schon unglaublich drauf. Mit einem der ältesten Schiffe der Hurtigrutenflotte vorbei an den Lofoten und atemberaubenden Landschaften in der Mitternachtssonne. Nach ein paar Tagen im hoffentlich schönen Tromsø flieg ich dann am

19.06. nach Oslo,

wo ich einen Tag verbringen werde, um dann am

20.06. um elf in Berlin Schönefeld

zu landen. Hauptstadtgucken zum Runterkommen. Um nicht gleich ins kalte Wasser springen zu müssen. Zwei Tage später trudel ich dann im Norden ein, und finde mich dann langsam damit ab, dass mein ein Jahr langer Urlaub dann zu Ende ist. Und eine Woche später beginnt dann ja schon der Alltag: Einzug ins Studentenwohnheim, Praktikum den ganzen Sommer, bis die Uni wieder anfängt…ich freu mich schon irgendwie!

Global Peace Index: Norwegen gewinnt, Deutschland auf Rang zwölf.

mizi am 1. Juni 2007 um 01:30

Sollte ich vielleicht doch hier bleiben? Zum ersten mal hat die “Economist Intelligence Unit” (Quasi die Statistikabteilung der The Economist Group, die auch die Zeitschrift The Economist rausbringt) ein Ranking der Friedlichkeit von 121 Staaten herausgebracht. Laut PR Newswire (Hier die Originalmeldung) ist Norwegen dabei auf Platz eins, Deutschland belegt einen hervorragenden zwölften Platz, weit vor Frankreich und den USA.

Knapp 7000 Datensätze wurden dazu ausgewertet. Dem Ranking zugrunde liegen 24 Kriterien, unter anderem Zugang zu Handfeuerwaffen, Militärausgaben, Zahl der Inhaftierten, Korruption und Menschenrechtsachtung. Daraus wurden dann Muster entwickelt, die friedliche Gesellschaften ausmachen.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass friedliche Länder ein höheres Demokratie-, Bildungs- und Wohlstandslevel haben. Außerdem hatten kleinere stabile Länder, die am besten noch zu einem regionalen Block gehören (wie z.B. Skandinavien), höhere Chancen, im Ranking vorne zu landen. Ich bin ja mal gespannt, wo Deutschland im nächsten Jahr landen wird, irgendwie muss sich das Demokratiedefizit im Namen der Inneren Sicherheit, das sich sich da momentan breit macht, doch auch auswirken…

Ausgedacht hat sich den Index der Australische IT-Unternehmer Steve Killelea, weitere Unterstützer sind James Carter, der Dalai Lama und Erzbischof Desmond Tutu.

Hier Ausschnitte aus dem Ranking:

1 Norwegen
2Neuseeland
3 Dänemark
4 Irland
5 Japan
6 Finnland
7 Schweden
8 Kanada
9 Portugal
10 Östereich
11 Belgien
12 Deutschland
13 Tschechische Republik
14 Schweiz
15 Slovenien

33 Italien
34 Frankreich
35 Vietnam

48 Marokko
49 United Kingdom
50 Mosambik

59 Kuba

60 China

92 Türkei

95 Yemen
96 United States of America
97 Iran

118 Russia
119 Israel
120 Sudan
121 Irak

27/05-07: Best Of

mizi am 29. Mai 2007 um 02:58

Langer, toller Tag.

Aufstehen um fünf, der Flybuss um sechs muss mich schließlich pünktlich zur Frühschicht bringen. Es ist Pfingsten, das bedeutet 133,3 % Feiertagszuschlag. Und dann auch noch die lange Schicht. Jippiie. Und nicht nur das: Zum Feierabend bekomm ich nochmal kräftig Honig um den Bart geschmiert. Man sagt mir doch tatsächlich, dass ich da gute Arbeit leiste, mit den Bewohnern gut umgeh, und dass man mich höchstwahrscheinlich doch ziemlich vermissen wird, wenn ich in zwei Wochen weg bin. Gute Aussichten für den nächsten Sommer also.

Der Nachmittag besteht aus Folkekjøkken, Spazierengehen, ein wenig schlafen und dem allerletzten Mal Student-TV gucken.

Die letzte Semesterfolge ist ein Best Of. Hab eigentlich damit gerechnet, dass die üblichen Verdächtigen ihre Beiträge unterbekommen, übers Auswahlverfahren wusste ich auch nix. Doch gegen Schluss kommt dann mein komischer Derrick-Beitrag. Der auf Deutsch mit norwegischem Text. Die beiden Moderatoren redeten über ihre Lieblingsbeiträge und einer erwähnte meinen. Als ich den nochmal so gesehen hab, fand ich den eigentlich gar nich so doll, muss ich sagen. Nicht nur, dass der Schluss total falsch war (Ich sage Dienstag bis Donnerstag, oben steht übersetzt Dienstag bis Freitag und eigentlich fing das Ganze schon Montag an - hat außer mir keiner gemerkt, trotzdem peinlich), und meine Frisur ziemlich scheiße ist; er hat auch nicht wirklich Inhalt und lebt einzig von der Derrick-Musik und dem dicken Mann, der durchs Bild rennt. Wahrscheinlich würde ich den Beitrag heute ganz anders machen, finde jedenfalls, dass einige der Sachen danach besser waren. Trotzdem freu ich mich, dass Janin und ich in der Sendung vertreten waren, vor allem aber über die Einleitung. Haben wir die Deutschenquote also mal wieder gerettet. :-)

17. Mai, er jeg så glad i (Den 17. Mai, den mag ich so.)

mizi am 25. Mai 2007 um 01:11

Der 17. Mai war dieses Jahr nicht nur Christi Himmelfahrt, also der Tag, an dem sich Väter, Söhne und anderes Mannvolk mit dem Bollerwagen durch die Heide machen. Am 17. Mai vor nicht ganz 200 Jahren hat man hier nämlich die Union mit Dänemark aufgelöst und sich ein tolles Grundgesetz gegeben. Dass der Dänischen die Schwedische Union folgte, ist hierbei erstmal egal, gefeiert wird trotzdem, und zwar fett mit Paraden in jedem kleinen Kaff. Angeblich ist der Nationalfeiertag der Tag der Kinder, hier in Bergen ist aber jeder mitmarschiert, der nicht zu faul dazu war, glaub ich.

Frühmorgens wurd ich von irgendwelchen Explosionen geweckt, ging zum Kvarteret-Staff-Frühstück (eine von vielen Traditionen an diesem Tag), und stellte mich dann irgendwann in die Aufstellung der Uni Bergen Fußgruppe, in der auch das Kvarteret seine Sektion hatte. Natürlich hatte ich eine kleine blauweißrote Schleife an der Jacke bammeln, wie sich das gehört. Mit Flaggen haben die Norweger nämlich keinerlei Probleme, im Gegenteil: Wann immer sich die Gelegenheit bietet - also wenn einer von den Königs Geburtstag hat, am Frauentag, am 8. Mai oder wann auch immer), hängen hier die Flaggen draußen.

17mai

Zurück zur Parade: Auf dem Weg zur großen Aufstellung konnte man dann immer mehr Leute an den Absperrungen sehen, die darauf warteten, dass es nun endlich los ging, und als wir dann endlich kreuz und quer durch die Stadt wandern durften, tat sich eine unglaubliche jubelnde Menschenmasse auf. Wusste gar nicht, dass es in Bergen so viele Menschen gibt. Auf halber Strecke kamen mir die Student-TV-Leute entgegen und zogen mich einfach so in ihre Gruppe rüber, durfte also nochmal einen Bogen laufen und “Hurra” rufen . Lustig ist auch, dass die sich hier zu solchen Anlässen immer zum Geburtstag gratulieren, also “Gratulerer med dagen” sagen. Nachdem die Parade zwei Stunden lang prozessiert ist, war dann auch endlich Schluss, und wir gruben uns durch die Menschenmassen in ein Restaurant, wo es ein Bierchen mit den Fernsehleuten gab.

mai17

Später wurde noch an der Verft gegrillt, traditionell muss man an diesem Tag nämlich Würstchen essen. Ebenso auch ein Eis, das wir uns aber am Fischmarkt geholt haben, weil wir uns diesen Mini-Rummelplatz mal anschauen wollten, der so absolut unspaßig aussah, dass wir lieber gleich nach Hause gingen um noch ein Bier zu trinken.

17maifeuerwerk

Den krönenden Abschluss des norwegischsten aller Tage bildete das Feuerwerk am kleinen Stadtteich. Vorher tanzten betrunkene Teenager zu schlechter Technomusik auf dem Festplatz, die dann aber mit Fackeln am Teichufer Aufstellung nahmen. Das Feuerwerk konnte sich selbst in Hamburger Maßstäben blicken lassen, und so hab ich mich trotz allem Nationalkrams irgendwie doch noch mit diesem Tag versöhnt, der ja eigentlich schon ein kleines Erlebniss ist. Immerhin hat uns niemand beleidigt aus der Parade geschmissen, weil wir Deutsche sind, und das Wetter war auch toll: Sonnenschein statt Hagel und Sturm, wie sonst immer.

16/05-07: Sonnentag mit netten Leuten

mizi am 21. Mai 2007 um 00:30

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links: Alberto aus Venezuela, der Liebe wegen in Norwegen, rechts: Ich, gegen die Sonne schauend.

15/05: Krabben pulen und Modern Talking

mizi am 21. Mai 2007 um 00:23

Ingmar, einer meiner Mitbewohner, wird 25, und das feiert er auch groß. Unzählige Exil-Stavangeraner sind eingelade, vorher wird für einen ausgewählten kleineren Kreis noch nett aufgetischt: Auf dem Wohnzimmertisch in der Küche und auch eine Etage höher liegen massenweise Krabben, die darauf warten, gepult, aufs Brot geschmissen, in Mayonnaise ertränkt und verspeist zu werden. Janin als ungeübte Landratte schlägt sich gar nicht so schlecht und entgegen aller Erwartungen mag sie ds Krabbenzeug sogar. Tatsächlich redet man auch mit uns, doch dann werden sowohl die beiden Wohnungen als auch die Partygäste immer voller, was der Sache irgendwie den Spaß nimmt. Partymusikalisch sind Norweger sowieso nicht die besten Vorbilder, es läuft irgendwie immer dieselbe Playlist, in dieser auch “Brother Louie” von Modern Talking, die zum Glück hier niemand als deutsche Produktion erkennt.

Irgendwann ist mein Alkohol alle und ich lege mich hin, es rumpelt aber noch eine ganze Weile auf dem Flur herum, und ab und an ruckelt die Türklinke. Schlauerweise hab ich die Tür aber vorher abgeschlossen. Am nächsten Tag sieht die Wohnung noch ne ganze Weile ziemlich scheiße aus, und irgendwie sind auch noch ein paar Krabben übrig, die Ingmar versucht unter die Leute zu bringen.

Von Janin und mir hat er übrigens ein deutsches Reisewörterbuch bekommen, das er dann mal benutzen kann, wenn er in Deutschland Mädels aufreißen will, sollte er die Rubrik denn finden…

Jetzt is der Joni weg…

mizi am 15. Mai 2007 um 10:54

…wie es aussieht mein vorerst letzter Besucher aus der Heimat. Aber da es eh nur noch ein paar Wochen sind, bis ich alle wieder sehe, werd ich das wohl verkraften können. Nach holprigem Start wurde es auch noch eine sehr schöne und lustige Woche, auch, wenn er mir immer meine Bettdecke geklaut hat…:-)

Mein allerletzter Fernsehbeitrag ist übrigens auch schon online. Für die Nicht-Norweger unter uns: Es geht zum einen um die Nacht der Frauengeschichte, wo ein paar Leute Poster von tollen Frauen halblegal in der Stadt aufhängen, und zum anderen um die Gleichstellungsbemühungen der Kommune hier. Bis auf die Zweiteilung (die Teil meines Auftrags war), wurde der eigentlich langweilige Beitrag gestern bei der Redaktionssitzung ganz gut aufgenommen, muss ich sagen. In zwei Wochen ist dann die letzte Sendung, ein Best-of. Mal schauen, ob da was von mir dabei ist, schließlich wurd ich schon nicht für einen der Studentmedienpreise nominiert. :-)


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