Unstornierbar
Es erstaunt mich selbst, aber ich muss tatsächlich mal etwas Nettes über den Transport- und Logistikkonzern schreiben, der in den vergangenen Monaten (und Jahren) mit eher negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Rede ist natürlich vom Mehdorn-Unternehmen Deutsche Bahn.
Ich habe nämlich heute nachmittag spontan beschlossen, kommende Woche nach Berlin zu fahren. Und weil das so spontan war -und die neue Bahnseite in der Start-Suchmaske keine Rückfahrtoption hat- machte ich natürlich einen Fehler: Nachdem ich geschaut hatte, ob es zu meiner Hinfahrt auch am nächsten Tag eine Rückfahrt gibt, vergaß ich, das Datum wieder auf den Abreisetag zurückzusetzen. Enthusiastisch buchte ich mein tolles Dauer-Spezial-Ticket für 29 Euro, bestätigte alles - und bemerkte beim Ausdrucken, dass ich nun nach Berlin losfahren soll, wenn ich eigentlich schon wieder in Hamburg sein will.
Mit meinem Online-Fahrschein bewegte ich mich zum Reisezentrum im Hauptbahnhof. Am Ende der Schlange stand eine nette Frau, die mir einen Zettel mit der Uhrzeit in die Hand drückte, damit festgestellt werden konnte, ob die 9 besetzten Schalter denn ausreichten, um einen gewöhnlichen Dienstagnachmittagsansturm zu bewältigen. Etwa 20 Minuten später stand ich vor einer weiteren freundlichen Dame, die mir aber leider erklären musste, dass sie mit einem Internetticket nix anfangen kann, weil sie da gar keinen Zugriff drauf hat. Und überhaupt: Ein Dauer-Spezial ist sowieso vom Umtausch ausgeschlossen. Sie konnte da ja auch nichts für, und da sie freundlich war, konnte ich noch nicht einmal sauer sein.
Unverrichteter Dinge verließ ich also den Bahnhof und suchte nach Leuten, die mein Ticket vielleicht gebrauchen konnten, und denen ich genug vertraute, meine Kreditkarte zur Verifizierung anzuvertrauen. Aber Fehlanzeige. Wäre nicht meine liebe Kollegin auf die Idee gekommen, dass ich doch noch einmal die Hotline anrufen sollte, wäre mein Kopf auch im Sand stecken geblieben.
Und siehe da: Auch unter der gewählten 01805-Nummer kümmerte sich eine sympathische Bahn-Mitarbeiterin um mich. Ich schilderte ihr, dass ich mich verbucht hab, und das auch noch mit einem Dauer-Spezial-Dingens, doch sie beruhigte mich und meinte, ich solle nur das Ticket für den richtigen Zug kaufen und dann unbedingt am selben Tag noch einmal anrufen. Und das tat ich dann auch. Beim zweiten Telefonat war jemand anderes dran, und ich befürchtete schon, nun käme der große Augenblick, in dem die Call-Center-Mitarbeiterin die Inkompetenz ihrer Kollegin entlarvt und mir mitteilt, dass das alles gar nicht ginge, stünde ja schließlich auch so auf dem Ausdruck. Aber nein: “Das war das Dauer-Spezial, ja? Dann bekommen Sie nachher noch einmal eine Mail und der Betrag wird zurück überwiesen. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?”
Verwirrt verneinte ich und wünschte ihr noch einen schönen Abend, gleichfalls, denn sie kam mir zuvor. Nun habe ich meinen Fahrschein für den richtigen Tag, das Geld fürs “unstornierbare” Ticket wieder und einen völlig neuen Eindruck vom Service der Deutschen Bahn.
Berlin kann also kommen.
am 11. Dezember 2007 um 20:11 Uhr.
Wow, die Deutsche Bahn hat den Service gelernt - es geschehen tatsächlich noch Zeichen und Wunder. Dafür hat Herr Mehdorn übrigens auch immerhin die Preise diese Woche wieder schön angehoben. Allerdings habe ich heute gehört, dass die Bahn ihren Zweite-Klasse-Kunden verbieten möchte, in der Ersten Klasse ein- oder auszusteigen. Die Türen (und bestimmt auch die Toiletten) sind nun für Normalbahnfahrer tabu. Es könnte ja auch immerhin sein, dass der Pöbel dem Premium-Comfort-Kunden die Luft zum Atmen streitig macht. Aber immerhin: Berlin kann kommen. Und ich freu mich auf dich - und auf die Brille!
Best
TD
am 12. Dezember 2007 um 22:06 Uhr.
Ich fahr übernächste Woche nach Wuppertal! ;-D Ich hatte bei der Buchung meines Tickets auch nur gute Erfahrung gemacht (ich habe ganz altmodisch am Schalter gekauft), da ich noch sie so weit mit dem Zug gefahren bin, hat die Dame mir alles haargenau erklärt. Fand ich sehr nett und hat wenigstens etwas entschädigt für die nahezu eine Stunde dauernde Wartezeit!