Langer Eintrag mit tollen Fotos: Eine Woche mit dem Thorsten

Montagabend kommt der Besuch in der Stadt an. Eigentlich sollte er am Fischmarkt aussteigen, aber sowohl der Busfahrer als auch Thoko haben kein Problem damit, noch eine Station weiterzufahren. Gepäck in die Wohnung und ab geht es zur allerletzten Jam-Session im Kvarteret, bevor es geschlossen wird.

Dienstag muss ich erst einmal im Café arbeiten. Das allerletzte Mal. Währenddessen macht sich mein Gast auf den Weg in die Berge und verläuft sich fast dabei. Meinen legendären Broccoli-Reis-Pamps gibt es dann nachmittags bei mir, bevor wir uns zum letzten Pubquiz im Kvarteret aufmachen.

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Mittwoch muss ich nicht arbeiten (juhuu). Früh aufgestanden wird trotzdem, wir besichtigen nämlich die Kaffeefabrik von Herrn Friele. Der ist nämlich nicht nur konservativer Bürgermeister der Stadt, er besitzt auch eine der modernsten Kaffeefabriken Europas. Wir bekamen eine Führung, bei der man eigentlich gar nicht viel sehen konnte, und einen netten Vortrag über die Geschichte des Kaffees und die richtige Zubereitung eines Espressos. Schließlich durften wir noch Milchschaum machen und ne Tüte mit Kaffee nach Hause nehmen. Die ganze Zeit über versuchte ich, das Gesagte ins Deutsche zu übersetzen und offensichtlich bekam die gute Frau, die da so toll erzählte, das erst recht spät mit. Jedenfalls guckte sie immer recht böse, und fragte erst gegen Ende, ob Thorsten denn mitkommt, wenn ich die ganze Zeit übersetze. Nach der Kaffeetour gehts noch nach Gamle Bergen, muss ein Tourist ja schließlich auch gesehen haben, selbst im Regen ist die “Unsere kleine Farm”-Idylle großartig. Der Abend wird beschlossen mit Kino. “Music & Lyrics”, die große Hugh Grant-Drew Barrymore-Schnulze. Einfach großartig, wie man mit dem selben Gesicht und wechselnden Partnerinnen immer wieder den gleichen Film variieren kann, ohne, dass ich da was gegen hab. Nette Musik, kleine Seitenhiebe auf die Musikbranche, aber eine etwas herzlose und sehr routiniert runtergespulte Liebesgeschichte. Die beiden funktionieren gut als Paar, aber die ganz große Elektrizität fehlt irgendwie. Trotzdem schön. :-)

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Donnerstag wollen wir uns Haakonshallen angucken. Ein großes altes Gebäude mit schickem Festsaal, Rest der großen früheren Burganlage, die Königsresidenz zu Zeiten Bergens als Hauptstadt war. Wir wundern uns ein wenig über Militärpolizeipräsenz, einen roten Teppich und eine Festgesellschaft, die herauskommt, gehen aber trotzdem rein. Im Festsaal angekommen, wird gerade das Dessert abgedeckt. Ein wichtig aussehender Herr kommt auf uns zu, und als wir uns als Touristen zu erkennen geben, begleitet er uns freundlich zum Ausgang. Es ist nämlich Königsbesuch, und darum ist heute zu. Wir sehen noch einen alten fetten Volvo, und viel Presse, als wir und auf dem Weg zum Akvarium machen. Am nächsten Tag kann ich dann in der Zeitung lesen, dass der Österreichische Präsident mit Gattin da war, und Harald und Sonja denen das Vestland gezeigt habben. Das Akvarium ist eigentlich auch ein sehr netter Ort. Man kan süüüüüüüüüße Pinguine bei der Fütterung und genau so niiiiedliche Robben beim Training sehen, sämtliche Seelebewesen, die so um Norwegen herum vorkommen, und auch ein paar tropische Tierchen. Immer gut für einen kleinen Ausflug. Abends waren wir zum Geburtstag von Anne in Fantoft eingeladen. Ein sehr schöner Abend mit netten Gesprächen und viel zu viel zu essen. Wir nahmen den letzten Bus, die auch einige Italiener und Spanier, die in der Stadt wohl noch einiges vorhatten. Sehr schön, wie sie den Bus zum Wackeln brachten und “Bella Ciao” grölten. Mein Ohr jedenfalls piepte da schon. Als dann später ein paar norwegische Teenager mit glasigem Blick einstiegen (die hatten bestimmt weniger getrunken als die anderen, sahen aber viel fertiger aus), nahm die Spannung gleich noch ein wenig zu. Genervt vom Gesang warfen sie ein paar fremdsprachige Beschimpfungen in die Menge, die nur noch lauter sang. Eine kleine Mädchenschlägerei gab es dann auch noch, kurz bevor die NorwegerInnen ausstiegen. Hier kann man echt was erleben. Habe jetzt auch endlich alle meine Sachen aus Fantoft mitgenommen, jetzt gibt es hier tatsächlich zwei halbwegs große Töpfe. :-)

Freitag musste ich erst arbeiten, war mal wieder ein wunderbar ruhiger Tag. Abends kochten wir mit Janin ein leckeres Curryhuhnzeug (also Thorsten kochte, wir schnitten) mit Nudeln, aßen Pudding und tranken Wein und Kaffee mit Baileys (wie eigentlich schon die ganze Woche). Dazu gab es “Clueless”, das einer meiner Mitbewohner sogar ein wenig mitschaute. Ansonsten vergraulte ich die Bande wohl ein wenig aus der Wohnküche. Janin hatte irgendwie rausgefunden, dass im Logen Teater eine Vorschau auf die gesamte Bergener Festivalsaison stattfindet, die extra für Studenten und vollkommen gratis organisiert war. StudentImpulser nannte sich das. Problem: Thoko ist kein Student. Aber mit ein paar netten Worten am Eingang wurde “unser Gast aus Hamburg” (O-Ton) extra freundlich von dem Mann im Ohr der Wachfrau willkommen geheißen. Wir erlebten eine interessante Tanzperformance, zwei Konzerte und eine niedliche Comedy-Varieté-Nummer, bevor ich dann meiner Müdigkeit und meinen Füßen Tribut zollen und nach Hause musste.

Schließlich hatten wir uns für den Samstag ja was ganz großes vorgenommen: Die große Fløyen-Vidden-Ulriken-Tour. Gegen Mittag brachen wir also auf, fuhren mit der Fløyban auf den Stadtberg, an dessen Fuße ich wohne und wanderten los, ausgestattet mit zwei belegten Brötchen und ohne was zu trinken. Eine schöne Strecke, die über den Blaaman und den Rundeman führt, und die ganze Zeit hat man den Ulriken in greifbarer Nähe im Blick. Über Berg und Tal, in eine immer unwirtlichere und unwirklichere Gegend, zwar mit schöner Aussicht, aber sinkenden Temperaturen und kaum noch befestigten Wegen ging es also in die Wildnis. Irgendwann sind die Füße nass vom Matsch, vom Schnee und von den Wasserläufen, die irgendwie überquert werden müssen, und gegen fünf sehen wir auch ein, dass wir die Seilbahn runter wohl nicht mehr erwischen werden. Gegen den Durst gibt es zum Glück genug Schnee, gegen schmerzende Glieder und kleinere Sturzwunden haben wir aber nix. Jedesmal, wenn wir denken, dass hinter dem nächsten Hügel eigentlich der Gipfel sein müsste, tut sich ein neuer ewig langer Bergkamm vor uns auf.

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Wegweisende Steinhaufen sind zwar eigentlich praktisch, weil man weiß, wo man lang muss, auf der anderen Seite wirken sie in ihrer Masse irgendwann sehr bedrohlich. Pflanzen und Tiere gibt es hier irgendwie auch nicht mehr. Nur ein Adler zieht einsam seine Kreise. Frodo und Sam auf dem Weg nach Mordor. Die Aussicht ist schon schön irgendwie… Immer mal wieder werden wir überholt von Leuten, die den Weg scheinbar besser kennen als wir. Auf dem scheinbar letzten Hügel vor der großen Funkturmspitze haben wir den tollsten Blick überhaupt, allerdings liegt der Weg zu unserem Ziel dann doch etwas weiter unten. Das bedeutet, entweder steil und lebensgefährlich eine Klettertour nach unten zu wagen (klettern mussten wir ja ohnehin immer mal wieder), oder ein ganzes Stück zurückzulaufen und den sicheren Weg zu nehmen. Nach längerem Erkunden des Geländes konnte ich zum Glück zum sicheren Weg überredet werden, der dann auch relativ schnell und sicher ans Ziel führte. Der Abstieg von dort aus war zwar auch abenteuerlich (irgendwie war das so ne Art Bike-Cross-Strecke), aber mit dem Ziel vor Augen konnten eigentlich nur Hunger, Durst und müde Beine die Freude trüben. Unser kleiner Spaziergang endete nach knapp acht Stunden an der Uniklinik, von dort aus nahmen wir den Bus nach Hause, kauften Pizza und Eis und verzichteten auf die Party, zu der wir eigentlich noch gehen sollten. Stattdessen machten wir es uns bei zwei Filmen gemütlich und schliefen am Sonntag ewig. Mit dem fiesen Muskelkater und schlechtem Wetter lief der dann auch ähnlich ab, wie der Samstag endete: Mit Film und Eis. Eigentlich aßen wir außer ein wenig Frühstück kaum etwas, die ideale Grundlage für die letzte große Party, die das Kvarteret vorerst sehen sollte. (Ich hatte meine Kamera nicht mit, darum nur ein paar Eindrücke von meiner allerletzten Schicht im Café.)

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Mit fortschreitender Stunde wurde das Bier auch noch immer billiger (ab 2.00 nur noch NOK 10 für den halben Liter), die Menschen sentimentaler und die Musik besser. Ich werds schon vermissen. Wo bekomm ich denn nun meinen Gratis-Tee, mein intern-Bier, und merkwürdige Mottoparties her? Selbst, wenn ich vor den Schichten ganz oft eigentlich keine Lust hatte, hats doch immer wieder Spaß gemacht, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der teilweise etwas trägen Belegschaft. :-) Nächstes Jahr komm ich auf jeden Fall wieder her und guck, wies geworden ist…

Die Besuchswoche neigt sich dem Ende zu. Es wurde recht spät am Sonntag, darum wird der Montag zum Ausschlafen genutzt. So der Plan. Gegen 12 Uhr ist jedoch einer meiner Mitbewohner zu Hause und singt inbrünstig immer und immer wieder die selbe Zeile. Das Gebrüll zu ignorieren, funktioniert nicht, und auch, dass ich Geräusche mache, um zu zeigen, dass wer im Haus ist, scheint nicht bei ihm anzukommen. “I still remember, the last of december” wird sich für immer in mein Trommelfell einbrennen. Gut, dass bei mir ums Eck ein wirklich gutes ökologisches Restaurant ist, in dem wir ein spätes Frühstück einnehmen. Die Cheeseburger dort zählen zu den besten, die ich je gegessen hab. Nach meiner Redaktionssitzung freut sich Svenja in ihrem “Schloss” in Sandviken darauf, uns zu bekochen. Die ganze Woche hatte sie Holzhäuser in Voss gebaut, nun lernt Thorsten auch sie kennen. Es gibt superleckere Pfannkuchen mit Gemüse, hinterher einen perfekten Kaffee-Baileys und später ein gemütliches Bierchen. Gegen zwei gehts durch die milde Frühlingsluft nach Hause.

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Und nun ist der Thoko auch schon wieder weg. Nicht in Deutschland, sondern - quasi zum Runterkommen - in Oslo. Mit der Bergensbahn machte er sich heute morgen auf den Weg. Man sagt ja, Besuch sei wie Fisch und fange nach drei Tagen zu stinken an. In dem Fall muss der Fisch noch sehr, sehr frisch gewesen sein, gestunken hat er nie. Beinahe neun Tage in diesem kleinen Zimmer zu hausen, fiese Bergtouren zu machen und aufeinanderzuhocken, kann Freundschaften normalerweise auf die eine oder andere Probe stellen. Scheinbar sind wir beide gleichmütig genug, die Macken des anderen ein paar Tage zu ignorieren. Ich war wirklich erstaunt, wie unerwartet schnell die Zeit verging.

Ich hab den Besuch genossen, war auch für mich wie Urlaub. Freu mich schon aufs Wiedersehen im Sommer in der Heimat. Das Tretbotfahren mit Prosecco auf der Alster werd ich auf jeden Fall einfordern! :-)

3 Kommentare zu “Langer Eintrag mit tollen Fotos: Eine Woche mit dem Thorsten”

  1. Katrin

    das war wirklich sehr ausführlich. ich würde aber noch einmal Korrektur lesen! Da sind ganz schön viele Rechtschreibfehler! ;-) und die Königin heißt SONJA nicht Sofia (das ist Spanien) ;-) Anmerkung: ist korrigiert :-)

  2. mizi

    Hab jetzt gar keine Fehler entdeckt…haste Beispiele?

  3. Katrin

    :-P

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