15-20/02-07: Die Ulli zu Besuch
Die Ulli kam mich besuchen. Ulli und ich sind zusammen zur Schule gegangen, hatten im Abi die gleichen Fächer und jobbten nebenbei im selben Restaurant. Nun studiert die Ulli in Lüneburg, und obwohl das gar nicht so weit weg ist, sehen wir uns nur ein paar Mal im Jahr. Nun hatte die Ulli mal Urlaub, und da sie noch nicht in Norwegen war, und wir uns so selten sehen, beschloss sie, mal nach Bergen zu kommen. Es war ihr erster Urlaub ganz alleine. Als die Ulli in Bergen ankam, war ich noch mit dem Fernsehbeitrag beschäftigt, und am Freitag musste ich vormittags auch noch im Kvarteret arbeiten. Aber in dieser schönen Stadt kann man sich ja auch ganz gut alleine beschäftigen. Also zog sie los, mit Stadtplan und Kamera bewaffnet. Sie besuchte die Marienkirche, die Haakonshallen, das Kunstmuseum und Bryggen.
Am Samstag hatte ich glücklicherweise etwas mehr Zeit für die kleine, also schleppte ich sie zum Kaffeetrinken an einen meiner Lieblingsorte, die USF-Verft. Es regnete, aber das machte uns natürlich nix aus.
Anschließend gings zum Tourist spielen noch einmal auf den Fischmarkt und in die lustigen Holzgassen von Bryggen.
Auch Shopping stand auf der Tagesordnung, zumindest durfte die Ulli ein paar Sachen anprobieren. Wozu ist sie schließlich Model?
Aber es wurde Zeit, dass wir uns auf die Abendgestaltung vorbereiteten. Meine Mitbewohner und die vier Stavangeraner, die noch über uns wohnen, hatten ein Vorspiel geplant. Ideal, die Norwegische Trink(UN)kultur zu erforschen. Viele viele Gäste machten den Fußboden dreckig, unter anderem auch Lars aus Molde, den ich eingeladen hatte. Wir waren allesamt gut betrunken, und Ulli war als einzige nicht Norwegisch sprechende Person eine Meisterin im Socializing.
Um eins gings (wie üblich in die Stadt), aber das Landmark war irgendwie komisch, und im Kvarteret wars leer und vom klebrigen Fußboden breitete sich ein gar nicht mehr dezenter Biergestank aus. Also gingen wir wieder nach Haus, pennten sofort ein und bekamen gar nicht mehr mit, dass die anderen später noch lautstark eine Flasche Gin leerten, nachdem sie nach Hause gekommen waren. Einer der Leute, die über mir wohnen, hatte schon vorher die Clubs verlassen, im Anhang ein Mädel. Nachdem er kurz bei uns geguckt hatte, ob schon wieder wer zu Hause ist, hatte er seine Probleme, das Mädel mit nach oben zu bekommen, weil sie nicht verstand, dass er hier nicht wohnt…fand ich irgendwie niedlich
Den Sonntag hätte man theoretisch auch völlig verkatert und träge im Bett mit einem Film verbringen können. Nicht so die eifrigen deutschen. Wir marschierten auf die Berge. Solange die Sonne schien, war das Ganze spaßig, zwischendurch standen wir in nassen Wolken, und je höher wir kamen, umso mehr ärgerten wir uns über das Tauwetter, denn der hohe Schnee war nass und matschig. Trotzdem tut so ein Nachmittag an der frischen Luft ganz gut, da nimmt man sogar eine nörgelnde Ulli in Kauf, die sich hinterher auch irgendwie gefreut hat, dass ich sie so angetrieben hab.
Hungrig kamen wir zu Hause an, und mussten feststellen, dass wir nicht in die Küche kamen. Dort waren nämlich die Norweger zu Gange. Die backten irgendwelche Teilchen, die dann mit Sahne und Marmelade gefüllt wurden. Angeblich hat das Ganze irgendwas mit nem Heiligen zu tun, und die Kinder haben an dem Tag immer Fasching. Erinnert nicht nur vom Zeitpunkt her an Karneval. Selbst hier gibts das, neenee… Wir sind dann jedenfalls Chinesisch essen gegangen, das war scharf und lecker und relativ günstig. Nach dem sonntäglichen Studenten-TV gucken im Kvarteret gings ganz schnell ins Bett.
Montag war ein unspektakulärer, aber netter Tag. Ulli kaufte Souvenirs, Knu schlief lange, putzte Küche und Flur, schrieb Mails an Personalabteilungen und abends kochten wir “unser” Essen: Spaghetti mit Fertigsauce. Wie in alten Mathelernzeiten. Nebenbei bauten wir ihr mit Photo Story 3 und extra zusammengeschnittener Musik einen netten Minifilm, damit sie auch weiß, was sie hier gemacht hat.
Ich fands mal wieder ganz toll, Besuch zu haben. Ulli war einer der pflegeleichten Gäste, die sich auch mal selbst beschäftigen können, und wenn sie mir in den Hintern getreten hat, dann mit Recht. Ich denke, auch ihr hats hier gefallen, und hoffe, dass sie mich jetzt, wo sie mich (den perfektionistischen, menschenscheuen, zu viel nachdenkenden KNU) noch besser kennt, immer noch mag
Wenigstens weiß sie jetzt, was ich meine, wenn ich sage, dass Norweger komisch sind.
am 22. Februar 2007 um 14:06 Uhr.
Die Bilder sind wirklich toll!!! und ihr scheint super Spass gehabt zu haben. Dein nächster Besuch kommt ja bald und du bist nicht mehr alleine