05/02-07: Schlaflos in Bergen

Sind tatsächlich schon wieder drei Wochen, die ich hier bin. Und über ne Woche davon hab ich nicht geschrieben, das ist schon beinahe skandalös. Beinahe, wohlgemerkt, denn schließlich gibt es für alles eine logische Erklärung:
Wie an allem anderen ist nämlich das Fernsehen Schuld! Das Vorstellungsgespräch beim Studentenfernsehen war nämlich erfolgreich. Eine knappe Stunde, nachdem ich in gebrochenem Norwegisch der Chefredakteurin und der Kulturredakteurin erklärt habe, wie meine “Traum-Kulturreportage” aussieht (hab was von Freiwilligen beim Filmfest im Kontrast zum Roten Teppich gestammelt), und dass sie mich ganz bestimmt nicht nehmen sollten, weil ich so gut Norwegisch kann, bekam ich einen Anruf, dass die mich mitspielen lassen. :-)

Nun bin ich also Kulturreporter, nach einem zweitägigen Einführungsworkshop und einer netten Party am Samstag (Ich habe selten so viel Norwegisch geredet wie dort, und komischerweise ist auch niemand um eins in die Stadt losgezogen).
Ich durfte dann auch gleich in der ersten Woche einen Beitrag abliefern. (Der Turnus ist immer zweiwöchig.)
Mein Auftrag: Zwei “Weggehplätze” zu besuchen, die sich ziemlich krass unterscheiden: Das gute alte Kvarteret auf der einen Seite, und das Metro, ein Styloschuppen mit ebensolchem Publikum. Ich muss allerdings gestehen, dass mir das Ambiente (von den gleichen Designern, die auch sämtliche Louis-Vuitton-Shops ausstatten, wurde mir gesagt) durchaus gefallen hat: Nettes Licht, bequeme Sitzgelegenheiten, gut geplante Laufwege, und sooo schlimm war das Publikum auch nicht. :-) Von 22.00 bis morgens um drei waren mein Kameramann Ole und ich am Donnerstag unterwegs, um Leute zu befragen und schöne Bilder einzufangen. Nicht, dass ich mir das leicht vorgestellt hätte, aber es war schon anstrengend, in einer fremden Sprache Leute zu befragen, die eigentlich nicht ins Fernsehen wollen, und deren Antworten man wegen des Lärms drumrum und/oder deren Dialekte nicht versteht.
Der Schnitt am Freitag gestaltete sich dann noch einmal so schwierig. Insgesamt acht Stunden saßen wir am Rechner, wählten Szenen aus, ordneten sie an, verwarfen alles wieder, weil der Beitrag zu lang wurde, versuchten alles neu aufzubauen, grübelten über meinem Text usw.. Halb vier Uhr morgens sprach ich dann den Text mit einem dicken deutschen Akzent ein. Alles in allem 13 Stunden Arbeit für 1:30 min Film. Knapp sieben Sekunden Film pro Stunde Arbeit.
So richtig zufrieden war ich nicht mit dem Beitrag. Irgendwie hatte ich das Gefühl, als wäre er nicht rund, hätte er keine Aussage. Aber nachdem ich eh schon ewig gebraucht habe, um halbwegs einen Fokus zu finden, das Thema für mich zu greifen, war ich einfach nur froh, irgendwann erschöpft ins Bett fallen zu können.
Komischerweise waren beim gestrigen kollektiven Sendung angucken im Kvarteret alle anderen halbwegs begeistert, es gab sogar teilweise Szenenapplaus, und ich wurde einige Male gelobt, vor allem wohl, weils der erste Beitrag überhaupt war, den ich gemacht hab. Mal schaun, was die Einzelkritik nachher in der Redaktionssitzung noch so hergibt. Erleichtert war ich auf jeden Fall. Gut, dass Ole n bischen Erfahrung hatte, gute Bilder gemacht und mir extrem geholfen hat.
Im Moment ist die Sendung noch nicht online, aber die Tage könnt ihr euch auf der Website vom Studentenfernsehen mal angucken, was ich so verbockt hab. :-)

Was sonst noch so passiert ist: Mittwochnacht schluderte ich noch einen merkwürdigen Essay für den “Qualitative Analyse”-Kurs hin, in dem ich beschreiben sollte, was für eine Studie ich machen will. (Werde Jugendliche im Einkaufszentrum beobachten.) Wieder nicht viel Schlaf.
Genau wie Samstag, als ich um zehn schon wieder im Kvarteret aufgeschlagen bin. Diesmal sprang ich für eine andere Berlinerin ein, schadet ja nix, ein wenig Tauschpotential anzusammeln, damit ich mehr Zeit für Besuch hab später. Samstagvormittags ist da echt kaum was los. Konnte einige Seiten des Textes lesen, über den ich morgen n Referat halten muss. :-)
Eigentlich wollt ich an dem Tag noch auf eine “Champagnerparty” - alle müssen in Schlips und Kragen kommen, oder irgendwie so - bei Ole, aber dazu war ich zu kaputt. Blieb es halt bei “Herr der Ringe - Die Gefährten” in der Special Extended Version. (Die zusätzlichen und erweiterten Szenen machten allesamt Sinn, fand ich.)

2 Kommentare zu “05/02-07: Schlaflos in Bergen”

  1. Pyo

    Hey Knu,

    mein Norwegisch ist leider … äh … “etwas” eingerostet. Ich würde mir trotzdem gerne deinen Bericht anschauen … kannst du nicht noch einen Link für Dumme posten (wenn’s dann hochgeladen ist?)?

    cheerio!, p.

  2. Katrin

    Bin schon gespannt deinen Beitrag zu sehen!! Unsere Küchen-Party war auch ganz lustig. Es ist viel Alkohol geflossen! Hab dir ja schon davon berichtet!

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