Tag 125: Good Bye, Fantoft
Es ist Dienstag, und am Mittwoch steht nicht nur meine letzte Prüfung in diesem Semester auf dem Plan; ich ziehe auch aus Fantoft aus, dem Studentenwohnheim mit dem besonderen Etwas. Kakerlaken, dünne Wände, Feueralarme, dunkle Küchen, laute Spanier. Und das alles eine Stunde Fußmarsch von der Stadt entfernt.
(Alle Fotos stammen von Annas Postkartenverkaufsseite)

Schon in den spätern 60ern, als die drei Hochhausklötze gebaut wurden, stürzten sich die (damals noch norwegischen) Studierenden regelmäßig aus den Fenstern. Das Studentenwerk fing dann an, kleinere, schönere Wohnheime zu bauen. Und mit dem Einstieg ins Erasmusprogramm musste man sich dann auch keine Sorgen mehr um die Auslastung in Fantoft machen. Man steckte einfach alle Austauschstudenten ungefragt nach Fantoft, die konnten sich das vorher nicht angucken und brauchten ja nen Platz zum Pennen. Für den Spottpreis von knapp 2000 Kronen (plus 400 Kronen Monatskarte für den Bus, die aber nicht für den Nachtbus gilt) wohnen diese also in einer Art Erasmus-Dorf mit Leuten von allen Kontinenten, was ja per se nicht schlecht ist, haben die meisten sowieso kein wirkliches Interesse an Land und Leuten, und mit dem Klubb Fantoft vor der Tür muss man auch am Wochenende das Ghetto nicht verlassen. Zum Lidl ist es auch nicht weit, und der Weg dorthin ist auch gar nicht unschön. Nett fand ich auch, dass man intern immer gratis telefonieren konnte, das kostenlose Internet und die Tatsache, dass immer ein paar Leute da waren, die spontan zum DVD-gucken vorbei kamen (ich meine hier auch DVD-gucken, und nix anderes) oder einem im Bus Gesellschaft leisten konnten. All das ist ja nun vorbei. Mein Riesenzimmer im sechsten Stock tausche ich nun mit einer Kammer mitten in der Stadt. Statt mit Feng-Shui “Engrish” zu reden, muss ich mich nun immer anstrengen, mit den anderen drei Mitbewohnern, deren Namen ich noch nicht kenn, Norsk zu snakken. Freu mich schon drauf…:-)
Vor diesen Preis haben die Götter aber den Fleiß gesetzt (altes Sprichwort von meinem Sportlehrer), und so verbrachte ich meinen letzten Fantoft-Tag damit, -statt für die Prüfung zu lernen- das Bad mit einem Kunststoffschwamm zu putzen, meine Holzmöbel mit einem Plastikirgendwas abzuhobeln und mit einem Abwaschlappen auf den Knien kriechend den Boden zu wischen. Die Küche wollte Feng-Shui sauber machen, irgendwann nach zwölf. Vorhänge und Polsterbezüge freuten sich ebenfalls über eine Grundreinigung, und Theresa wusste kaum noch, wohin mit meinen Sachen, die ich über die Feiertage bei ihr lagere. Am Ende fand ich das alles sauberer als zu meiner Ankunft, und traute mich kaum noch, mich zu bewegen, und damit wieder irgendwas einzusauen….
am 18. Dezember 2006 um 20:49 Uhr.
Nicht zu vergessen, dass du mir auch endlich den Flashplayer installiert hast. Ich find Opera auch richtog klasse, nur hab ich meiner Firewall noch nicht beibringen können, Opera nicht zu blocken!