Aus dem Giftschrank des Dr.Knu(III)
Heute mal ein Bericht von einem Fußball-Länderspiel-Erlebnis am 16.10.2002, so erlebt beim Ziviseminar der Diakonie. Seit mein Bruder und ich auf dem Heiligengeistfeld die Gesänge für die Engländer angestimmt haben, ist mein Verständnis für solche Veranstaltungen ein wenig gewachsen. Ein wenig.
Mittwochabend, 20.15 Uhr, Haupthaus, Seminarraum, Koppelsberg, Plön, Schleswig-Holstein. In der ARD erklärt Legogebiss Günther Netzer gerade die Chancen gegen die Färöer, ich finde mich inmitten von grölenden Zivis vor dem Fernseher. Das Bier fließt in Strömen, man erwartet ein Fußballfest, mindestens 6 Tore. Dann die Nationalhymne. Bis auf drei Leute stehen tatsächlich alle auf und singen auf grausamste Weise mit. Den Leuten nationalistische Tendenzen anzudichten, wäre übertrieben. Der Fußball schweißt eben zusammen. Deutschland einig Vaterland. Ich versuche, alles auf die bierselige Athmosphäre zu schieben und begnüge mich damit, interessierter Beobachter zu sein. Fußball gucken als soziologische Feldstudie. Unterdessen wird der Raum mit jeder Minute voller, scheinbar gibt es woanders keine Fernseher. Oder das Rudelverhalten ist stärker als man denkt. Vor dem Fernseher stapeln sich die leeren Bierflaschen, die Kronkorken werden nach missglückten Aktionen der deutschen Spieler auf den Bildschirm geworfen. Dann - in der 47. Minute - der Schock. Arne Friedrich köpft beim Versuch, zu retten an Olli Kahn vorbei ins Tor. Blankes Entsetzen. Halbzeit. “So ein grottiges Spiel!” von allen Seiten, aber irgendwie hat keiner das verlangen, die zweite Halbzeit ausfallen zu lassen. Der Ball rollt wieder, aber besser als vorher wirds nicht. Bloß gut, dass Olli Kahn so toll hält und Teamchef Rudi Völler ab und zu eingeblendet wird, da hat man wenigstens ein paar Gründe, grölende Gesänge anzustimmen (”Unser Torwart ist sensationell”, “Ein Rudi Völler” - das alles im Dezibelbereich eines überregionalen Flughafens). Und als dann irgendwann -nach vielen Ratschlägen aus allen Richtungen (”Der Klose muss raus!”)- Miroslav Klose den Siegtreffer schießt, ist der Abend gerettet. Drei wichtige Punkte auf dem Weg zur EM gegen eine Mannschaft, die aus Metzgern, Maurern, Lehrern und Bäckern besteht. 2-1. Der erwartet schwere Gegner. Es gibt keine Fußballzwerge mehr.
Und jetzt geht´s noch inne Disse.”Setup” nennt sich das Provinztanzhaus, in dem heute “Ladies’ night” ist. Vier Dorfschönheiten und etwa 60 Zivis, Bundis, Türken und Glatzen. Viel Spass, ich geh ins Bett….
am 29. November 2006 um 02:17 Uhr.
Ooooooh ja, Fußball! Mein Traumthema. Aber so sind halt Männer, aller Nationalitäten. Fußball verbindet. Das hat man ja zu WM in Deutschland wieder gemerkt.
Aber es ist wirklich eine nette kleine Geschichte!