Tag 107: Ein langer Tag
Man könnte beinahe von Stress reden. Aber soweit wollen wir mal nicht gehen. Vor dem Norwegischkurs holte ich mir meine Aufgabenstellung für die Hausarbeit im Literaturkurs ab. Ich werde etwas über Knut Hamsun und den Modernen Durchbruch schreiben. Das bedeutet eine Menge Lesearbeit, und das in einer Woche, in der ich eigentlich schon ziemlich verplant bin: Montag Zimmer gucken, Dienstag und Donnerstag arbeiten, Mittwoch große “Julegalla” , und Sonntag nochmal eine Art Weihnachtsfeier. Aber egal, das wird schon irgendwie, schlaf ich halt weniger und richte mir einen kleinen Platz in der Bibliothek ein (früh aufstehen, bäh!).
Nach der Uni hatte ich gleich eine Zimmerbesichtigung. Nach ein wenig Suchen fand ich das Haus, das sehr zentral liegt. Das Treppenhaus wirkte abbruchreif, die WG selbst sah allerdings sehr modern und frisch aus: Laminatfußboden, neue Geschirrspüler, Waschmaschinen und Trockner, ein schicker Balkon an der Wohnküche, und die 7m² wirkten durch den fast quadratischen Zuschnitt des Zimmers gar nicht so klein. Der Mensch, der aus der WG auszieht, meinte, dass das Sozialleben ganz gut funktioniert, allerdings hatte er auf seinem Rechner gerade den Pausenbildschirm von “CounterStrike” an, vielleicht ist er keine besonders gute Referenz für soziale Kontakte.
Ich schrieb mich auf, und nun warte ich auf eine Meldung. Einzig die mit 7500 Kronen ziemlich hohe Kaution schreckt mich ein wenig ab.
Kurze Pause im Kvarteret, und schon ging es zur nächsten Besichtigung an einer recht hoch frequentierten Straße. Die Wohnung liegt im 5. Stock, hat ein kuscheliges Wohnzimmer, eine nette Küche und ein kleines Bad, und wird von zwei netten StudentInnen bewohnt. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass die Frau, die vor mir da war, ein paar Vorteile hatte. Als ich ankam, schnatterten die schon recht lebendig miteinander, die Chemie schien zu stimmen. Jedoch glaub ich, dass der Junge mich ganz gut leiden konnte, vielleicht wird dasja doch was. Immerhin gibt es auch WGs, die ein wenig was wissen wollen, was man so macht und wer man ist.
Das hat ja die WG vom Mittwoch nicht interessiert, und so wunderts mich auch nicht, dass ich gestern Abend ne SMS bekommen hab, dass sie sich “nach langem und schwierigen Abwägen” für die entschieden haben, die als erstes angerufen haben. Was immer das bedeutet.
Wohnungen gucken beginnt aber so langsam, auch auf die eine oder andere Weise Spaß zu machen. Ich werd immer routinierter dabei, mir fremde Wohnungen anzuschauen. Ist ja auch interessant, zu sehen, wie die Norweger so leben…:-)
Abseits vom Wohnungen gucken bot der Freitag für mich noch eine Schicht im Kvarteret. Als dann nach und nach alle eingetrudelt waren, standen wir zu fünft hinterm Tresen. Es ist gerade Examenszeit, und deswegen war auch nicht übermäßig viel los. Dementsprechend oft gab es auch Gelegenheit, Pause zu machen. Wobei ich schon zum Pause machen verdonnert werden musste. Die beiden Mädels in meiner Schicht sind wirklich unglaublich nett, aber die meiste Zeit waren sie mit sich selbst beschäftigt, und so konnte ich irgendwie nicht ruhig sitzen. Wenigstens konnten wir die alten belegten Brote aufessen, die bis acht nicht verkauft waren, leckerlecker.
Spanier sind übrigens komisch. Wenn sie wenigstens Englisch könnten! Da kam ein Grüppchen von dreien, bestellte ein Bier und zwei Kaffee mit Milch. Beim Bezahlen wussten sie schon nicht so recht, was sie eigentlich wollten, und so musste ich dann hinterher noch einmal sieben Kronen rausdiskutieren, die ich falsch rausgegeben hatte, weil die Frau meinte, dass sie nur einen Kaffee bezahlen wollte, dann aber doch beide mitnahm. Die Dritte im Bunde bestellte einen Milchkaffee, und rannte dann weg. Als ich dann nachfragte, ob sie ihren Kaffee denn noch will, kam auf einmal das gesamte Rudel an den Tresen und ich durfte den Leuten, die kein Englisch verstanden, erklären, dass ich von ihnen gar nichts will, außer die Information, was ich denn nun mit dem Kaffee machen soll. Am Ende kaufte dann eine von ihnen den Kaffee und ich hatte meine Ruhe.
Außerdem verbrannte ich mir den Daumen an einer heißen Suppenkelle, weil ein Techniker kurz vor nem Konzert, das bei uns stattfand, noch was essen wollte und unglaublich hektisch vor dem Tresen herumwirbelte. Nicht schön, sowas. Aber wenigstens hats ihm geschmeckt. Nach der Schicht gab es noch mehr Gratis-Essen: Eine andere Gruppe hatte Weihnachtsfeier und da blieb eine Menge norwegisches Weihnachtsessen übrig: Kartoffeln, Rotkohl, Kohlrabimus, Rippenfleisch und Schafsfleich am Knochen, dessen Namen ich gerade vergessen habe. Sehr lecker und unglaublich sättigend.
An der Bushaltestelle traf ich Nike, noch eine Berlinerin, die mit mir zusammen studiert. Sie hatte noch ein wenig Wodka übrig, also setzten wir uns in Fantoft noch ein wenig draußen auf die Treppen und tranken einen. Es ist wirklich noch recht mild für Ende November, und ungewöhnlich trocken sowieso, zumindest im Vergleich zu anderen Jahren, hab ich mir sagen lassen.
Feng-Shui ist übrigens zurück. Seit Donnerstag Abend. Und gleich fing er wieder an zu poltern. Er war in London bei seiner Freundin, und eigentlich hätte er auch gut da beleiben können, find ich…
am 26. November 2006 um 03:49 Uhr.
Du und Feng-Shui, ihr seit das Traumpaar des Jahrhunderts. Was soll nur werden, wenn ihr getrennt seid?
Ich drück dir mal die Daumen, dass es was mit einer von den Wohnungen wird. Was machst du morgen? An deinen Arbeiten schreiben? Falls du Lust auf Filme hast, kannst du bei mir vorbeischauen. Yvonne hat “The Enigma of Kaspar Hauser”, “Donnie Brasco” und “Den som frykter ulven” ausgeliehen. Wir wollen morgen Videoabend/tag machen, da wir es noch nicht geschafft haben die Filme zu gucken und sie morgen zurück gebracht werden müssen.
Man sieht sich spätestens am Dienstag, oder wenn du dich mal bei skype einklingst. Tschöööö!