Tag 86/87: Socializing 2.0

Ich habe endlich eine norwegische Mobiltelefonkarte! Nun bezahle ich kein Vermögen mehr, wenn ich meiner Gruppenleiterin im Kvarteret sagen will, dass ich krank bin und nicht arbeiten kann. Tolle Sache das. Und noch toller: 99 Kronen bezahlt, per Internet aktiviert, (Mit der Personennummer hatten die sofort meine Adresse und alles, irgendwie unheimlich) und schon hatte ich ein Guthaben von 150 Kronen. Schön schön. Und weil ich mit meiner neuen Mobilkarte den ersten Monat umsonst MMS-, WAP- und Webdienste benutzen kann, surfe ich jetzt immer fröhlich im Bus durchs Netz und gucke Bundesligaergebnisse nach, oder ob mir jemand online ne Nachricht geschrieben hat. Nicht lebenswichtig, aber irgendwie spannend, wenns den Akku nich imer so schnell leeren würde.

Freitagabend gab es mal wieder ein tolles Internfest. Das Motto war Halloween, aber irgendwie schien kaum jemand inspiriert, sich auch nur ein bischen zu verkleiden. Das Vorspiel fand diesmal bei Øyvind statt, etwa 20 Minuten zu Fuß in meine Richtung. Die meiste Zeit unterhielt ich mich auf Englisch mit einem Türken und einer Isländerin, während ich meine Flasche Riesling so nach und nach vertilgte. Irgendwann sollte dann auch ein Taxi kommen, so bekam ich während des Sturztrinkens noch ein Glas schlechten Weißwein aus Sizilien ab. [Es ist mir bis heute unverständlich, wie Leute hier für mittelmäßige bis schlechte Weine ab 20 Euro bezahlen können. Denn was wirklich Gutes bekommt man in den Weinmonopolgeschäften kaum. Alkohol ist ja Alkohol. Ich hab mir zwar sagen lassen, dass Norweger es eh n bischen dicker haben, aber dazu wäre ich wohl zu geizig.] Mit dem Taxi -es war eher ein Kleinbus- ging es dann in die Stadt. Diese Partytaxen sind wirklich interessant, der Fahrer hat extra Partymusik aufgedreht, zu der alle unglaublich abgegangen sind. Und dann kamen wir auf die Party. Günstiges Bier, nette Musik und freundliche Leute - eine gute Kombination.

  
So langsam scheinen die Leute, die mich wenigstens vom Sehen kennen, auch keine Angst mehr vor mir zu haben, ich kam tatsächlich mit einigen Norwegerinnen und Norwegern ins Gespräch, unter anderem mit einem, mit dem ich auch schon ein-zwei Male kurz gechattet, ansonsten aber nur Hallos augetauscht hatte, wenn wir uns mal im Café gesehen haben. Gegen drei wurde der Laden wie üblich dicht gemacht, und ich machte mich zu Fuß auf dem Heimweg durch den Regen. (Ich hatte meinen Regenschirm dabei, keine Sorge.) Die Stunde Fußweg schien mir gar nicht so lang, als ich zu Hause angekommen bin, konnt ich mich auch gar nicht mehr so wirklich dran erinnern, wie ich nun genau heimgetorkelt bin.

Der Durst heute morgen erinnerte mich aber daran, dass ich eine Menge getrunken hatte. Dementsprechend schlecht kam ich auch in die Gänge. Begünstigt wurde das auch dadurch, dass das Telefon von zehn Uhr an alle paar Minuten klingelte. Die Anrufenden waren dabei auch sehr hartnäckig und warteten eine Weile, bevor sie auflegten. Nun war ich wach, und versuchte, mit Oliven, Kaffee, Wasser und Marmeladenbroten meinen kleinen Kater loszuwerden. Der Kaffee machte mich ein wenig schwummerig, da half dann auch das Wasser nix.

Gegen fünf war ich in der Stadt mit Carl, einem Kvarteretkollegen verabredet. Das Wetter war heute wirklich unfreundlich, und so kämpfte ich mit meinem Schirm mehr gegen den Wind als gegen den Regen an. Treffpunkt war das Café Opera, ein sehr netter Fleck und beliebter Studententreffpunkt und Veranstaltungsort mit recht hohen Preisen. Da ich genug Kaffee für den Tag hatte trank ich einen Tee, den Carl auch noch bezahlen musste, weil ich meine Bankkarte vergessen hatte, und das auch erst merkte, als ich schon fast vorm Geldautomaten stand. Ein wenig peinlich. Das “Date” war nett, mit meinem Norwegisch war ich halbwegs zufrieden, auch wenn ich dann doch lieber zuhörte, als selbst zu reden. Mein Gesprächspartner hats mir aber auch leicht gemacht. Bin immer wieder erstaunt, dass es neben den oberflächlichen, konsumgeilen Bubis ohne Manieren hier auch nette junge Leute mit Tiefgang gibt. :-)

Im Norwegischen Fernsehen lief heute “Bella Martha“, ein toller deutscher Film mit Martina Gedeck (eine grandiose Schaupielerin), der in Hamburg spielt. Und so konnte ich neben der schönen Geschichte und den guten Schauspielern immer mal die eine oder andere bekannte Ecke von zu Hause bewundern. :-)

Gleich les ich noch weiter, wie Lucie stirbt, und gehe schlafen, damit ich morgen mein Referat fertig machen kann.

2 Kommentare zu “Tag 86/87: Socializing 2.0”

  1. Katrin

    Da ich gerade in einer Depri-Phase bin, bin ich echt neidisch auf deine Schilderungen. Mein Samstag Abend fing ganz nett an. Yvonne, Theresa und ich sind zu 23:30 in die Stadt gefahren. Im Finegan’s haben wir dann Amir und seine Freunde getroffen. Nach ca einer Stunde sind wir weiter ins schon von dir erwähnte Café Opera gegangen (die Jungs wollten eigentlich ins Ricks, aber da sagten wir nein, da der Eintritt 80 NoK betrug!!, außerdem war die Schlange sehr lang). Wir Mädels haben dann getanzt. Den Jungs wurde es dann langweilig und wir sind weitergezogen (in einen pub dessen Namen mir entfallen ist, gegenüber von Wessel, nahe blauen Stein). Da Theresa langsam müde wurde und mir auch etwas Schlaf fehlte haben wir uns nach zwei Uhr langsam auf den Weg nach Hause gemacht. Ich hab dann Amir noch eine SMS geschickt, ob er später nachkommt, aber er hat nicht geantwortet. Mein Telefon im Zimmer hat dann auch geklingelt und es war 100% Amir, aber er hat nichts gesagt!?!? ich hatte gerade mit Andreas und Yvonne in der Küche gesessen und eine heiße Schokolade getrunken. Leider geht es mir immer noch nicht besser. Warum müssen Männer so kompliziert sein? Alles könnte so einfach sein, wenn man sich nur in den richtigen verlieben würde!!! Ich werd jetzt ins Bett gehen und hoffe etwas schlafen zu können und “morgen” dann bessere Laune zu haben!! Bis dann!!

  2. Kevin

    “Bella Martha” ist wirklich toll! Ein sehr schöner Film, den ich vor drei Jahren in den USA das erste Mal gesehen habe. Dort gab es einen riesigen Hype darum während ihn hier niemand kennt *g* Seltsam…

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