Aus dem Giftschrank des Dr.Knu (I)
Nicht immer passiert in dieser aufregenden Stadt etwas, das die ohnehin niedrige Schwelle überschreitet, spannend genug zu sein, dass ich es hier berichten kann. Oder es passiert was, ich habe aber keine Lust zu schreiben. Trotzdem möchte ich all diejenigen, die sich auf die Seite bemüht haben, für ihre Mühe entschädigen. Darum werde ich in Zukunft neben tollen Internetfundstücken auch eine kleine Auswahl meiner poetischen Ergüsse hier zum Besten geben. Feedback ist natürlich ausdrücklich erwünscht. Wir beginnen mit einer namenlosen Kurzgeschichte aus dem Jahr 2002:
guten abend, mein herr. möchten sie tee?
nein danke, ich habe nicht viel zeit. sie wissen, warum ich hier bin?
ja, ich habe von dieser furchtbaren tragödie gehört.furchtbar, nicht wahr?
das sagten sie bereits.wissen sie etwas darüber?
nur das, was sich die leute so erzählen,sie wissen ja, wie das ist.
jaja, ich weiß. man sagt, sie waren kurz vorher noch in der nähe des schauplatzes. sie haben wirklich nichts gesehen?
wie gesagt, ich weiß nichts… mein gott, ich kann es noch gar nicht fassen, dass jemand so etwas tun kann…
unglaublich , ja.
haben sie schon jemanden in verdacht?
nun,die ermittlungen laufen ja noch. sie werden verstehen, wenn ich ihnen darüber keine auskunft geben kann. nur so viel: es muss jemand sein, der ungehinderten zugang zum tatort hatte. da kommen ja so einige in frage. richtig. unter anderem auch sie.
ich? sie meinen…
ja. auch sie stehen unter verdacht.
aber…
keine aufregung. sie sind einer von vielen.allerdings…
allerdings was?
allerdings gibt es einiges mehr, das gegen sie spricht.
das muss ich erst einmal verdauen. ich und fähig zu einer solchen tat?
jeder hat eine dunkle seite.auch sie.
werter herr, vielleicht jetzt einen tee?
haben sie buchstabensuppe?
nein, ich rauche nicht.
dann einen tee. schwarz,bitte.
ich muss ihnen etwas beichten.
ich höre?!
gestern, als,sie wissen schon,diese sache passierte, die sache mit dem…
mit dem buch?
ja, dem buch.als das also passierte, da war meine katze gerade weggelaufen. ich ging um sie zu suchen, und da sah ich es.
was?
das buch.
und sie haben es gelesen?
ich fing an, es zu lesen, aus reiner neugierde müssen sie wissen, und als ich mittendrin war, überraschte mich dieser herr.
das opfer?
ja. er sagte, er würde mich anzeigen, und ich wollte doch nicht ins gefängnis, ich habe doch eine katze zu versorgen.
da haben sie ihn geküsst?
ja, das habe ich. ich kann mit meiner schuld nicht länger leben.
hier ist ein messer. ich verabschiede mich, junge frau, leben sie wohl. auf bald.
am 2. Oktober 2006 um 20:15 Uhr.
Nette Geschichte! Erinnert mich an “Ringen” von Knut Hamsun.