Tag 50 (Jubiläum?): Bürokratie und Bauchschmerzen
Ich sollte mir wirklich mal angewöhnen, wenigstens zu bestimmten Sachen mal pünktlich zu sein. Durch den doofen Bus, der immer dann wegfährt, wenn ich um die Ecke komme, egal, ob dashalb, fünf nach halb oder viertel vor ist, war ich etwa fünf Minuten zu spät zum Gruppentreffen im Kvarteret. Im Klartext hieß das, dass die Schichten schon so verteilt waren, dass für mich nur noch die Spätschichten übrig blieben. Und das in einem Monat, in dem unsere Gruppe Samstag, Freitag und Donnerstag zu betreuen hat. Tolle Wurst. Freue mich jetzt schon unglaulich drauf, von halb elf abends bis halb vier morgens Bier für Leute zu zapfen, die eigentlich nix mehr trinken sollten, weil ihre Teenagerkörper das Vorspiel schon nicht vertragen haben, zwischen den betrunkenen und enthemmten Norwegerinnen Bierbecher einzusammeln, und hinterher den Dreck einzusammeln, den die hinterlassen haben. Was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker, oder so. Außerdem schweißt so eine Stress-Schicht wahrscheinlich noch einmal stärker zusammen als unsere lustigen Feste. Nach dem Gruppentreffen, bei dem ich endlich mal auf die Email-Liste kam und auch meinen Vertrag unterschreiben durfte, gab es dann noch die Stjernesal-Vollversammlung mit allerhand wichtigem organisatorischen Zeug und einem kleinen internen Fest hinterher.
Gegen elf war ich aber schon zu Hause, und stellte fest, dass ich die Bewerbungsfrist als Helfer beim Bergens Internasjonal FilmFestival verpasst habe. Hätte mir auch früher einfallen können, dass es vielleicht ne nette Idee sein könnte, gratis in ein paar Filme und auf Parties zu kommen. Naja, gibt ja noch genug Festivals hier, und demnächst bewerb ich mich einfach mal für nen regulären Job bei der Kinogesellschaft, die -natürlich- der Kommune Bergen gehört. Die suchen immer wieder Studenten, die da in den Kinos arbeiten. Und ich sollte bald auch sämtliche Bürokratische Hürden dafür gemeistert haben. Denn heute habe ich es endlich geschafft, mich beim Folkeregister zu melden. Hat auch gar nicht weh getan und ging wirklich fix. Antrag ausfüllen, Aufenthaltserlaubnis und Ausweis zeigen, fertig. Wenn ich dann bald mal meine Personennummer bekomme, kann ich auch n Konto eröffnen, das ich brauche, damit mir ein eventueller Arbeitgeber auch einen Lohn überweisen kann. Eigentlich sollte es auch so eine vorläufige Bank-ID-Nummer tun, aber die wollte mir keine Bank besorgen, bei der ich heute war. Andere Deutsche haben das schon geschafft, aber ich war heute auch einfach zu müde und krank, um mich mit denen zu streiten, dass die sowas eigentlich machen. Müde bin ich momentan wirklich abartig stark. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich keinen vernünftigen Rhythmus habe, daran, dass ich scheinbar irgendne Magen-Darm-Sache ausbrüte, oder einfach nur daran, dass ich mich ein wenig unausgewogen ernähre (was ja auch ein Grund für die Magen-Darm-Geschichte sein könnte). Gestern (Mittwoch) lag ich doch tatsächlich bis in den tiefen Nachmittag hinein im Bett, und auch heute kam ich nur schwer auf die Beine, bevor ich dann beschloss, nicht zum Norwegischkurs zu gehen, teils, weil ich kaputt war, teils wegen der Bauchgeschichte. Wenigstens war heute mein Kindergeld drauf, und ich konnte im REMA1000 Bananen, Milch, Margarine, Eier und sogar etwas Fleisch (so ne Art Cordon-bleu-Ersatz) und Schokolade kaufen. Wenn ich morgen meine Norwegisch-Kopie-Gebühr in Höhe von 170 NOK bezahlt hab, sollte ich bis zum Eintreffen des Bafög-Vorschusses also eigentlich noch genug Geld haben, um nich zu verhungern.
Außerdem: Ich glaube, ich habe meine BahnCard zu spät gekündigt. Aber da die keine Einzugsermächtigung haben, sollen die mal sehen, wo sie mir die Rechnung hinschicken. Ha!— Habe heute für mein Literaturseminar Ibsens “Nora oder Ein Puppenheim” gelesen. In nur eineinhalb Stunden. Wie ich finde ist “Nora” eines der besten Ibsen-Stücke, voll Kritik an der damaligen Gesellschaft und für Literaturwissenschaftler eine wahre Fundgrube. — Feng-Shui hat sich glaube ich schon ein wenig beleidigt gefühlt, oder denkt, ich bin beleidigt. Jedenfalls ist jetzt immer brav das Licht aus, und die “Parties” finden jetzt vor zwölf ein Ende, wenn sie denn überhaupt noch hier stattfinden. Einzig an den Telefonaten mit seiner Familie und an seinen Duschgewohnheiten muss er noch feilen, um ein langweiliger Mitbewohner zu werden. So nett isses nämlich nicht, wenn jemand zwei Stunden singend duscht, während man mit fiesen Bauchschmerzen nicht aufs Klo kann…
am 29. September 2006 um 02:13 Uhr.
So schlimm ist es? Hat der Kamillentee wenigstens etwas Linderung geschafft? Wir sehen uns morgen!
am 29. September 2006 um 13:05 Uhr.
Du armer!!!Salzstangen und Cola!Und alles wird gut