Tag 48: Literatur, aber hauptsächlich Essen
Montagabendschicht im Kvarteret: Die Wochenend-Nachtschwärmer sind noch nicht wieder auf der Höhe, einzig ein paar übliche Verdächtige und ein paar Seelen, die vor der unten im Pub stattfindende Jam Session erst noch in Ruhe ein Hansa kippen möchten, verirren sich zu uns hoch in den Stjernesalen. Da ausnahmsweise auch die Musik mal funktioniert, und wir zu viert trotz des recht gut gefüllten Cafés nie wirklich im Stress sind, wird es eine sehr angenehme Schicht. Die Schichtleiterin war erst etwas übermotiviert, wurde aber immer netter, und verdonnerte mich später sogar zu einer Pause, um mein belegtes Ciabatta zu essen, das den Tag über nicht verkauft wurde, also gratis war. So kann man auch an eine Mahlzeit am Tag kommen.
Der Literaturkurs, zu dem ich das erste Mal seit drei Wochen nicht zu spät war (und das, obwohl ich die halbe Nacht wachlag, weil ich ja unbedingt noch einen Kaffee mit Milch trinken musste den Abend vorher), brachte einen nicht wirklich guten Vortrag meinerseits über die schwedische Musik und Literatur im 19. Jh. (habe eben versucht, das auf 5 Minuten zu komprimieren, aber so wirklich zufrieden sah die Dozentin nun nicht aus), und die Erkenntnis, dass ich endlich mal den Roman “Niels Lyhne” von J.P. Jacobsen zu Ende lesen sollte: Die Konflikte zwischen Atheismus (Darwinismus) und Christentum, Leben und Tod, Romantik und Realismus sind scheinbar dermaßen gut geschildert, dass sich Thomas Mann, Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke, Siegmund Freud und viele andere wohl hingerissen über das Werk des damals schwer kranken Dänen äußerten. Jacobsens literarische Hinterlassenschaften gelten heutzutage leider fast nur innerhalb der Dänischen Grenzen als “Klassiker”.
Zum Norwegischkurs brachte Katrin wie versprochen den Kuchen mit, ich durfte mich über zwei leckere Stücke Bananenkuchen freuen. Nach dem Kurs ging ich mit Nike und Annika zum Lidl. Ja, richtig, ich habe Feindesland betreten, und musste feststellen, dass es ein paar Sachen, wie Pudding, Rotkohl, Broccoli, tatsächlich um einiges billiger gibt. Andere Sachen, wie Milch, kosten entweder genauso viel wie woanders, oder sind sogar teurer als z.B. bei REMA 1000, einer norwegischen Kette, die sogar Filialen im Zentrum hat. Ein 950-g-Glas mit Oliven für 16 NOK ist aber auf jeden Fall ein Schnäppchen. Nur schade, dass sowas bei mir nicht lange hält. Jetzt bin ich aber erst einmal wieder mit Dosentomaten und Spaghetti eingedeckt, und nen Broccoli hab ich auch wieder. Auf dem Rückweg fing es dann nach einem eigentlich heiter bis wolkigen Tag (mit 18 Grad schon morgens um zehn) wieder einmal an zu regnen, und schnell wurde aus einem Nieselregen ein doch recht kräftiger Guss, der bis jetzt anhält und das Tal in einen grauen Schleier hüllt. Surreal, aber schön
Nach einem Telefonat mit meiner Mutter bin ich mir übrigens der Dringlichkeit eines Jobs noch bewusster geworden. Mein erster Monat im Land der Trolle und eigentlich niedrigen Mobilfunkgebühren hat mich ohne auch nur ein Gespräch zu führen ein kleines Vermögen gekostet, das das diese Woche erwartete Kindergeld zu einem nicht geringen Teil auch schon wieder verschlingen wird. Weiter Daumen drücken, dass sich der Stapel derjenigen, die bei der Sachbearbeiterin in Kiel vor mir bearbeitet werden, möglichst schnell lichtet. Immerhin ist am 15. die zweifache Miete fällig.
am 26. September 2006 um 23:27 Uhr.
hab auch mit meiner Mutter gerade gesprochen. In Berlin ist es heute 26°C gewesen, bei Sonnenschein.
Noch steht ein Stück Kuchen in der Küche. Das letzte Stück will irgendwie immer keiner essen. meistens ess ich es dann oder Yvonne kommt gerade vorbei. Werd jetzt noch die Norwegisch-Hausaufgaben machen, damit ich morgen für die anderen Kurse lesen kann (hab ja meinen freien Tag morgen).
Bei mir gabs heute Blumenkohlsuppe, auch bei Lidl gekauft.
am 28. September 2006 um 22:33 Uhr.
Ach, ich bin so froh, dass es Deinen tollen weblog gibt! Ich sitze gerade planlos vor einer Hausarbeit, die ich einfach nicht fertig bekomme. Jetzt kann ich wenigstens ein bisschen mitlachen über Mr. Feng Shui und Co und mich vorm Weiterarbeiten drücken.
(Der Name “Feng Shui” ist genauso toll wie “Bernie Pö” *g* - ob ich das hier gefahrlos schreiben kann?)
Also, Wein brauchst Du also schonmal. Kein Problem! Und Guthaben für ein paar alkoholisierte Abende hast Du bei mir auch schon sicher.
Soll ich mich mal nach einer Bettdecke umhören? Vielleicht hat jemand noch eine, bei der es nicht so schmerzt, wenn sie im kommenden Jahr ihr Leben in Norwegen lassen muss.