Tag 38-39: Indogermanisches Essen, norwegische Mädels und Mecklenburger Sturköppe

Das Wochenende: Der Wanderfreitag hatte mich schon ziemlich geschlaucht, muss ich sagen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als am Samstag bis um zwölf zu schlafen. Und es wäre sicher noch länger geworden, hätte Yvonne nicht wie verabredet angerufen, um mich zu wecken. Wir mussten nämlich noch in der Stadt ein wenig einkaufen, schließlich wollten Yvonne, Annika und ich abends kochen. Es gab Blumenkohl mit Kartoffeln, Rührei und Käse, also typisch indogermanische Hausmannskost. Wusste gar nicht, wie lecker Kartoffeln sein können.

Vor dem Essen war ich noch ein wenig hier in der Gegend spazieren, und habe sogar den Lidl von Weitem gesehen. @Linda: Den hättest du NIE finden können, so verwinkelt is das da hinten alles. Der Lidl war aber nicht mein Ziel, sondern der Gamlefjord am Schloss Gamlehaugen. Gamlehaugen ist der Bergener Sitz der königlichen Familie, ursprünglich von nem ehemaligen Ministerpräsidenten gebaut. Wenn Harald, Haakon und Co. nicht gerade Urlaub in Bergen machen, ist das gesamte Gelände frei zugänglich, und
über den Schlosspark kommt man dann auch an den Fjord, es gibt eine kleine Badestelledort, und natürlich grillen und sonnen sich die Leute da, sobald es
nicht regnet. In den Genuss dort zu baden, werd ich diesen Sommer wohl nicht mehr kommen, aber ich bleib ja ne Weile hier.

Mal ein paar Bilder von Gamlehaugen und dem Gamlefjord:

         Mal in schön von Wikipedia

   Man beachte den Seestern

Nach dem Essen, das mit Wein und ein wenig Wodka auch gleich zum Vorspiel wurde, ging es noch in die Stadt. Wieder einmal landeten wir im “Kvarteret, das samstags wirklich brechend voll ist. In vielen der Räume sind Tanzflächen, und alle Norweger sind unglaublich betrunken. Als ich mit Janin und Yvonne bei nem Bierchen da saß, kam ein junges norwegisches Mädel vorbei, die recht verwirrt schien, und die ganze Zeit mit uns reden wollte. Irgendwann war sie weg, und das einzige, was Janin dazu einfällt ist, dass sie es fies findet, dass ich als schwuler Mann von ner Frau angebaggert werde. Als könnte ich was dafür. Die Outing-Frage klärte sich die Woche auch irgendwie. Ich hatte beim Wandern vorgeschlagen, dass man ja mal ins Sailor gehen könnte, und auf die Frage hin, warum ich denn in ne Schwulenbar will, bin ich dann mal rausgerückt. Es war mir ein Bedürfnis, den Leuten diesen Teil meines Lebens nicht länger vorzuenthalten, irgendwann wird es nämlich kein “Ich will denen das ja nicht aufdrängen” mehr, sondern ein Versteckspiel, weil der richtige Zeitpunkt verpasst wurde.
Mein gutes Mädels-Karma konnte ich übrigens später noch einmal unter Beweis stellen, als ich mit einer weiteren deutschen Studentin eng zu einem Aretha Franklin Song getanzt hab.
Ihr Freund stand daneben, und hat sich das nur gefallen lassen, weil sie schon betrunken war, und auch an sich ein sehr lebenslustiger, offener Mensch ist, glaub
ich.
Den Rückweg um kurz vor vier trat ich dann fußwärts an, 40 Minuten Weg sind sogar noch vertretbar, so viel bin ich auch in Hamburg vom Kir aus gelaufen.

Der Sonntag ging ziemlich komplett zur Regeneration drauf. Ich habe es nicht einmal geschafft, Wäsche zu waschen, geschweige denn in ein Buch zu schauen. Aber dafür sind Sonntage ja da.

Geärgert habe ich mich darüber, dass meine ehemaligen Landsleute (wobei Vorpommern da ja eigentlich für mich nicht zugehören) es tatsächlich gewagt haben, aus “Protest” die -importierten- Schlägertrupps in ihren Landtag zu wählen. Penetrant-aggressiver Wahlkampf zieht also doch. Bis zuletzt hab ich da nicht dran geglaubt. Die einzigen, die sie damit schocken, sind sie selbst, wenn sie sehen, dass durch ihre verschleuderten Stimmen kein vernünftiger politischer Prozess möglich
ist, und das Land nen noch schlechteren Ruf bekommt.

Der Berliner CDU gratuliere ich zum wahnsinnigen Erfolg, im Osten viertstärkste Kraft geworden zu sein, und den Bündnisgrünen dazu, sich demnächst mit Wowi drum zu streiten, wo man denn noch was einsparen kann im Pleitehaushalt.

Außerdem: Schweden hat mal wieder die Sozialdemokratie abgewählt. Mal schauen, wie lange sie dieses Mal das Experiment durchhalten. Wobei die Konservativen sich ja dieses Mal so verbogen haben, dass gar nicht klar ist, wo nun eigentlich die Unterschiede liegen. Ich glaube, man will die Steuern senken un ein wenig Geld einsparen, oder so…solche Probleme hätten andere gern.

6 Kommentare zu “Tag 38-39: Indogermanisches Essen, norwegische Mädels und Mecklenburger Sturköppe”

  1. neunundsiebzig

    Hey Knu,

    täusch ich mich oder klingt da im Hintergrund die Internationale? ;)

  2. helga

    völkeeeer höt die signaaaaaaaaaaaaaaaale, auf zum leeeeeeeetzten gefäääächt!

    helga hat nen schwips und grüßt herzelich!

  3. Linda

    Malst Du mir einen Plan, wo der Lidl ist, so dass ich weiß, wie nah ich schon dran war??? ;)

  4. Katrin

    Die norwegischen Jungs sind beim Flirten auch richtige Looser! Siehe mein Mitbewohner und sein Freund!!! Ich fand es aber wirklich sehr unterhaltsam, als sie nach der Disko versucht haben, noch Mädels fürs Nachspiel zu ergattern! ;-)

  5. mizi

    Toll, jetzt werte meine unglaubliche Ausstrahlung mal noch ab ;-)

  6. Katrin

    Das würde ich nie wagen! Es war eher auf die norwegischen Mädchen bezogen. Die sind auch der Renner, konnte ich live am Nachbartisch erleben. ;-)

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