Tag 14 - 16: Angekommen
So, ich glaube, endlich bin ich hier so langsam angekommen, auch in der Routine. Mittwoch war ein ereignisloser Gammeltag, und Donnerstag ist auch nicht allzuviel passiert, außer, dass ich endlich was von dem ganzen doofen Erasmus- und Bafög-Papierkram erledigen konnte.
Herausragend war, dass ich um halb neun vom Anruf meiner Cousine geweckt wurde. War zwar unglaublich müde, hab mich aber riesig gefreut. Mein Cousinchen und ich telefonieren oft nur zweimal im Jahr miteinander, und zwar wenn der/die jeweils andere Geburtstag hat. War schön zu hören, dass es ihr gut geht, das war weiß Gott nicht immer der Fall.
Außerdem war ich abends noch spazieren, weil ich mal raus musste aus der Bude, die immer mehr von den Asiaten okkupiert wird. Nicht mal mehr kochen kann man hier. Aber ich hab Paul gesagt, dass ich kein Problem damit hab, solange das nich jeden Tag stattfindet. Wo ich hin spaziert bin? Nicht weit von hier gibt es eine weitere Bergener Sehenswürdigkeit, die Fantoft Stabkirche. Ein altes Teil aus dem 13. Jahrhundert, das irgendwann von einem Kaufmann hier hochgekarrt und liebevoll restauriert worden ist. Sieht wirklich sehr schick aus, und ist vor allem komplett aus Holz.
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Der Weg dahin ist auch sehr schön, man muss ein Stück durch einen Wald durch, ideal also für Spaziergänge. Dazu kam noch das Wetter: Die Abendsonne schien grandios, und gleichzeitig regnete es (endlich, nach fast ner Woche) viele kleine Tropfen. Zwangsläufig auch der Regenbogen der Woche.
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Dass man Kirchen auch anders bauen kann, beweisen die Mormonen, die ihre Gottesdienste hier ganz in der Nähe abhalten:
Gestern abend sind Thoko und Anja in Bergen gelandet und haben wohl gleich erstmal eine Tour in die Stadt gemacht, weil sie vergessen haben, an ihrem Hotel auszusteigen. Aber die Leute sind hier ja nett, und so durften sie auch mit dem Bus
zurückfahren. Das wird sicher lustig mit den beiden, wenn sie denn zwischen ihren geplanten Programmpunkten (die haben sich einiges vorgenommen hier, das wird n richtiger Aktiv-Urlaub) denn auch n bischen Zeit für mich haben
Im Moment radeln sie wohl gerade das Umland ab, und ich mach mich auf ins Kvarteret, um meinen Nachmittagskaffee zu bekommen und weiter in meinem Eurovision-Buch zu lesen, das mit tollen Erkenntnissen wie dieser aufwartet:
“In der Erinnerung an ihre Niederlagen durchleben die Finnen laut Mäkelä ein kolektives Zusammengehörigkeitsgefühl, das von einer Mischung aus Nationalstolz, Scham und Freude zehrt. Weil Finnland mit Musikgruppen wie The Rasmus und Nightwish mittlerweile internationale Erfolge feiere, spiele der Erfolg beim ESC keine so große Rolle mehr, und da der erste finnische Sieg nach Meinung Mäkeläs nur noch eine Frage der Zeit sei, könne der ESC zu einem nationalen Symbol für den Kampf ums Überleben des finnischen Volkes werden.” (Wolther, Irving: Kampf der Kulturen - Der Eurovision Song Contest als Mittel national-kultureller Repräsentation, Königshausen & Neumann, 2006)
Wie wahr, und wie prophetisch…