Mitternächtliche Gedanken: Wissen, was man will…oder wollen darf?

mizi am 6. November 2008 um 02:13

Jemand meinte vor Kurzen zu mir, man müsse wissen, was man will, um ebendies bekommen zu können. Um aber erst einmal Klarheit zu haben, was man eigentlich will, sollte man auch wissen, was man wollen darf. Gerade, was das Zwischenmenschliche angeht.

Ein kulinarisches Beispiel: Man wird zum Essen eingeladen und hat unglaublich Lust auf das leckere Steak, das aber unsagbar teuer ist. “Such dir aus, was du willst” ist hier vielleicht nicht der geeignete Rat, wenn der Gastgeber dies nicht ausdrücklich zur Kenntniss bringt. Man will ja nicht unverschämt sein, den netten Menschen vor einem nicht in den Ruin treiben und die Spaghetti tuns ja vielleicht auch, gerade, wenn man sich eigentlich schon über die Einladung sehr freut. Erfährt man nun im Nachhinein, dass der Einladende kein Problem mit dem Steak gehabt hätte, ist es schon zu spät, die Spaghetti sind gegessen und fürs Steak kein Platz mehr. Wie dumm. Fordert man von vornherein das Steak, ist der Gastgeber vielleicht verschnupft und hat eigentlich keine Lust oder keine Ressourcen mehr, später auch nur einmal Spaghetti zu spendieren. Ist also alles nicht ganz einfach.

Sollte die Frage nach dem Dürfen geklärt sein, kann sich der Bauch die restlichen Gedanken machen: Ist das Steak nicht vielleicht doch zu mächtig? Bin ich hungrig? Bin ich Vegetarier?

Wer hat euch verraten…?

mizi am 20. April 2008 um 11:07

Ich muss Dervanil ja Recht geben: Egal, was ich selbst vom Koalitionsvertrag halte, ich bin erstaunt und irritiert über die Kritik, die da jetzt aus Richtung der SPD kommt. Ob das jetzt der dicke Beck ist, der sicherlich seinen Teil dazu beigetragen hat, dass es für Rot-GRÜN in Hamburg nicht reichte, oder Leute aus meinem persönlichen Umfeld: Den Hinweis, wir würden uns selbst verraten, nehme ich aus GRÜNEN Kreisen gern als Kritik ernst, wenn er aus der SPD kommt, dann frage ich mich, mit wem Kurt Beck in Rheinland-Pfalz jahrelang regiert hat, mit wem Klaus Wowereit in Berlin regiert (im Übrigen als ziemlicher Affront gegen die Bündnisgrünen in Berlin), und wie die Konstellation im Bund ist. Mir drängt sich da der Eindruck auf, dass den Sozialdemokraten das Regieren wichtiger ist als die Themen, und dass da jetzt jemand beleidigt ist, weil er in Hamburg nicht zurück an den Futtertopf kommt, obwohl man sich viel billiger verkauft hätte als die GAL: Über die Elbvertiefung, das Kraftwerk in Moorburg, Schulpolitik und die Hafenquerspange hätte man zum Beispiel gar nicht erst reden müssen.

Es sei im übrigen dran erinnert, was uns in den Rot-GRÜNEN Hamburger Jahren 1997-2001 seitens der Sozialdemokraten zugemutet wurde: Elbvertiefung, Mühlenberger Loch, Brechmitteleinsatz - und die Stadtbahn verstaubte fertig geplant in der Baubehörde. Zu schauen, ob man dann nicht auch mit einer CDU zusammenarbeiten kann, die sich ihrer rechten Altlasten hier so langsam entledigt, und bereit ist, einige Zugeständnisse zu machen, sollte da doch wohl erlaubt sein. Macht die SPD ja schließlich auch…

Schwarz-Grün wartet auf den 27. April

mizi am 19. April 2008 um 12:24

Nun ist er also fertig, der schwarz-grüne Koalitionsvertrag für Hamburg. Die Koalition, die eigentlich keiner wollte, scheint sich nach sechs Wochen streng geheimer Verhandlungen auf eine grundsätzliche Linie für das Regierungshandeln der nächsten vier Jahre geeinigt zu haben. Und nach dem ersten Überfliegen finden sich schon ein paar positive Ansätze in dem 65 Seiten starken Werk:

  • Hamburg bekommt nun endlich eine Stadtbahn: Zunächst vom Borgweg bis nach Steilshoop, das dann auch endlich vernünftig an den Nahverkehr angeschlossen wird, gleich danach soll das Netz dann ausgebaut werden.
  • Zum Ausgleich für die scheinbar unvermeidliche weitere Vertiefung der Elbe wird ein millionenschwerer Umweltfonds eingerichtet, an dem sich auch die Reedereien beteiligen müssen.
  • Für den Flughafen soll ein emissionsabhängiges Landeentgelt eingeführt werden.
  • Auch in Hamburg soll die Umweltzone kommen.
  • In benachteiligten Stadtteilen sollen 4000 Jobs gefördert werden.
  • Die Regenbogenflagge wird zum Christopher Street Day wieder am Hamburger Rathaus wehen.
  • Schön auch, dass das Ressort Umwelt, Stadtentwicklung, Bau und Verkehr der GAL zugesprochen wurde. Erleichtert habe ich dann noch der Presse entnommen, dass der bisherige Innensenator Nagel mit seiner repressiven Polizeistrategie dem kommenden Senat nicht angehören soll.

    Dazu noch viele wichtige Kleinigkeiten im Bereich Justiz, Integration und Umwelt, die sich sehen lassen können, so sie denn verwirklicht werden. Und da fängt es ja auch schon an. Viele der Punkte haben ein “werden geprüft” irgendwo im Satz stehen, bei den Behörden, die dann GRÜN geleitet werden sollen, mache ich mir Hoffnungen, dass die Punkte dann auch umgesetzt werden, in den anderen Ressorts wird das wahrscheinlich schwieriger.

    Dem Kompromiss in Sachen Schulpolitik kann ich leider gar nichts abgewinnen. Sechs oder sieben Jahre gemeinsames Lernen klingen zwar toll, die Vereinbarung sieht aber ein dermaßen verwirrendes Nebeneinander verschiedener Konzepte vor, dass am Ende wieder diejenigen das Nachsehen haben könnten, die nicht nach der vierten Klasse das weiterhin bestehende Gymnasium besuchen können. Da muss sich Christa Goetsch einiges einfallen lassen, um diese Schieflage durch bessere Unterrichtskonzepte vielleicht auszugleichen.

    Und was die Studiengebühren angeht, bin ich von der Einigung noch nicht so ganz überzeugt. Das “australische Modell” hat nicht nur einige Schwächen, es widerspricht auch der klaren Ablehnung von allgemeinen Hochschulgebühren, die meiner Meinung nach ein wichtiger Teil GRÜNER Glaubwürdigkeit darstellt. Die Argumentation, dass der Anwalt von morgen von der Krankenschwester von heute durchgeschleppt wird, finde ich jedenfalls genauso daneben wie die Versuche, Kindertagesstätten gegen Universitäten auszuspielen.

    Und dass das Kohlekraftwerk in Moorburg auch wirklich nicht gebaut wird, ist immer noch sehr unsicher.

    Die nächsten Tage werde ich mich intensiv mit den Details des Vertrages auseinander setzen müssen, meine Prioritäten gewichten und abwägen, was mit der SPD eventuell (nicht) möglich gewesen wäre. Und in einer Woche wird die Landesmitgliederversammlung der GAL dann entscheiden, ob die erste GRÜN-Schwarze Landesregierung ihre Arbeit aufnehmen soll.

    Fit für den Frühling

    mizi am 19. April 2008 um 11:50

    Es ist vollbracht! Ich habe mir gestern nach ausführlicher Beratung im Geschäft (mit Laufband-Analyse und allem) tolle neue Laufschuhe gekauft. Eine ziemlich große Investition, die sich jetzt auch auszahlen muss. Heute morgen bin ich denn auch schon mal eine Runde um den Weiher vor der Haustür gelaufen, damit sich Füße und Schuhe langsam aneinander gewöhnen können. Es sind zwar nur 800 Meter, die dort zurückzulegen sind, aus der Puste war ich trotzdem. Morgen früh stehen dann zwei Runden auf dem Plan, und mein Telefon lass ich dann auch zu Hause, die Kopfhörer fallen eh beim Laufen ab. Zusammen mit meinem freitäglichen Schwimmen werd ich nun also fit für den Frühling. Und wenn ich dann bereit für nen Marathon bin (…als ob…), sag ich Bescheid. :-)

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    Aus dem Giftschrank des Dr. Knu (IV)

    mizi am 17. April 2008 um 12:07

    Damit hier mal wieder was erscheint, eine weitere Episode aus der “Giftschrank”-Reihe. Diesmal ein übertrieben melancholisches Gedicht aus meiner Zivi-Zeit, bei dem ich mal etwas mit Gedichtformalien rumprobiert hab. (09.04.2003)

    Schnee im April

    Gleitend über unsichtbare Wege,
    Durch Gegenden, die nie vorher geseh´n,
    Den Blick für nichts rundum mehr offen,
    Mit deinem liebsten Menschen an der Seite geh´n.

    Im Geiste spielten diese Szenen
    So oft sich ab, begleitet von Musik.
    Doch auch ein Geist, der träumt wird einmal rege
    Und holt dir viel zu früh die Wirklichkeit zurück.
    Dass du allein bist, merkst du dann betroffen,
    Und deine Sehnsucht lässt dir keine Ruh´.
    Verzweiflung steckt in jeder deiner Tränen

    Das einzige was bleibt, bist du.

    Eine kleine Verwechslung.

    mizi am 27. März 2008 um 21:33

    Ein wunderbarer sonniger Vormittag im Herzen Eimsbüttels. Ich sitze beim Frühstücksespresso vor meinem Rechner und surfe im Netz. Nur noch ein kurzer letzter Blick auf mein Konto, bevor ich mich ins Büro aufmache. Ist das Gehalt schon drauf?

    Mehr als das. Mein Konto zeigt mir einen Stand weit über dem erwarteten auf. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass die Uni mir freundlicherweise einen vierstelligen Betrag für die “Erstattung von Umzugskosten” überwiesen hat. Etwas verwirrt suche ich nach einer Nummer der Universität, wähle mich zuerst zur Pressestelle durch. Die freundliche Frau verweist mich an das Studierendensekretriat, das erstens nie erreichbar ist, und zweitens wahrscheinlich auch nicht zuständig. Mit etwas Glück finde ich die Nummer der Zahlstelle heraus, die - was für ein Glück - nur Mittwochs bis 13 Uhr Telefondienst hat. Es ist Mittwoch, kurz vor zwölf, eine freundliche Dame mit unaussprechlichem Namen geht ran, findet die Buchung und stellt mich zu einem anderen Herrn durch. Wie erwartet stellt sich heraus, dass die Buchung nicht für mich war, sondern für einen Professor gleichen Namens. Ich bekomme nach einer Weile eine Bankverbindung und einen entsprechenden Verwendungszweck für die Rückzahlung.

    Schon spannend, einen Namen zu haben, der bei Google knapp 61.500 Treffer bringt und als Sammelbegriff durchgehen könnte.

    Jetzt muss ich mich nur noch mit meiner Bank auseinander setzen, schließlich ist mein Limit nicht für solch hohe Beträge ausgelegt. Es fehlt nur noch ein Fax, damit die Uni endlich das Geld für meinen Namensvetter zurückbekommen kann.

    Ins Büro komme ich erst sehr viel später, müsste eigentlich den Leuten für ihr Verrutschen in der Zeile mal ne Rechnung schreiben.

    Zum Tode Arthur C. Clarkes

    mizi am 19. März 2008 um 15:11

    “Ich finde die Zivilisation ist eine gute Idee. Nur solle endlich mal jemand anfangen, sie auszuprobieren.”

    Arthur C. Clarke, britischer Physiker und Science-Fiction-Autor (2001-Odyssee im Weltraum), 1917-2008

    L’Allemagne: 12 Points?

    mizi am 7. März 2008 um 18:32

    Es war spannend im Deutschen Schauspielhaus, traten doch zum Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gleich fünf relativ namhafte Pop-Acts auf, um ihr Ticket für Belgrad zu lösen. Am Ende setzten sich No Angels durch, mit einem Lied, das einlädt, mit dem Kopf hin und her zu wippen und es danach wieder zu vergessen, wenn Andorra oder die Ukraine eine noch größere Windmaschine aufbieten.

    esc

    Aber wenigstens ist es keine Ballade, die es wahrscheinlich dieses Jahr noch schwerer gehabt hätte, herauszustechen. Und nun steigt die Spannung mit jedem Tag mehr, bis dann am 24. Mai feststeht, wie viele Punkte Deutschland von Europa bekommt. Aber erstmal wird gratuliert und gefeiert, selbst wenn bei der After Show Party schon um eins das Bier bezahlt werden musste und die Snacks furchtbar schmeckten.

    Verkatert

    mizi am 26. Februar 2008 um 01:12

    Der Sturm ist vorbei, und wie jeder Sturm hinterlässt auch dieser ein großes Durcheinander. Rot-GRÜN liegt in Hamburg vor der CDU, aber da ist ja noch die LINKE. Und darum bleibt der alte Bürgermeister wohl im Amt. Wahrscheinlich in einer großen Koalition, denn inhaltlich müssten die Konservativen schon ihre eigenen Berge versetzen, damit Gespräche mit der GAL am Ende zu ner Regierungsbildung führen.

    Zu einem Kater führte für mich allerdings nicht nur das Wahlergebnis, sondern auch die Wahlparty im Herzblut auf der Reeperbahn und vor allem das Nachspiel im Silbersack. Um sechs Uhr morgens lag ich dann auch müde im Bett und schlief das erste Mal seit Ewigkeiten nach Sonnenaufgang beim Gesang der Vögel ein.

    Warum muss man eigentlich immer erst ein Fass aufmachen?

    mizi am 23. Februar 2008 um 14:35

    Vor einer Weile beschloss ich, aus dem schön gelegenen, aber nicht wirklich heimeligen Wohnheim, das mir momentan einen warmen Schlafplatz bietet, in ein anderes, netteres umziehen zu wollen. Ich füllte also den Umzugsantrag des Studierendenwerks aus und freute mich, auf eine Warteliste zu kommen. Aber weit gefehlt: Das einzige, was ich bekam, war ein Schreiben, das mit mitteilte, meine Bewerbung würde nicht angenommen, weil die Miete einmal zurückgebucht wurde. So nett schrieben die das nicht, der Tonfall war eher “Wer nicht zahlt, darf nicht umziehen!”. Ich schrieb dem Herrn Sachbearbeiter also eine freundliche Mail, dass mich besagtes Schreiben “etwas irritiert” hätte. Schließlich wohne ich nun schon im insgesamt 5. Semester in einer der Wohnanlagen hier in Hamburg, und dass sich dann mal zwei Buchungen überschneiden, ist ein bedauerlicher Einzelfall. Wenig später schickte mir der freundliche Sachbearbeiter dann auch die freudige Botschaft, dass ich nach Rücksprache mit einer Kollegin wieder auf die Warteliste käme.

    Ein wenig ärgert es mich schon, dass scheinbar sämtliche Verwaltungsvorgänge heutzutage automatisiert sind, und ich erstmal ein Fass aufmachen muss, damit mein konkreter Einzelfall auch sorgfältig geprüft wird. Ob das bei der Bahn oder beim Studierendenwerk ist: Immer wieder ist es nötig, noch einmal nachzuhaken. Aber wenigstens lohnt es sich in den meisten Fällen.

    Ob ich dann irgendwann auch wirklich in das andere Wohnheim umziehe, oder bis dahin eine andere Alternative zur illustren Flur-WG gefunden hab, ist ja eine völlig andere Frage.


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